Überraschende Entwicklungen im deutschen Verarbeitenden Gewerbe: Im Dezember 2023 verzeichnete die Branche einen Anstieg der Aufträge um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, während Analysten nur mit 2,0 Prozent gerechnet hatten. Diese optimistischen Zahlen konnten jedoch nicht über die Rückschläge der Vormonate hinwegtäuschen, in denen die Bestellungen im Oktober und November um 1,5 Prozent und revidierte 5,2 Prozent gefallen waren. Ohne Berücksichtigung großer Aufträge, die die Gesamtentwicklung verzerrten, betrug der Anstieg im Dezember lediglich 2,2 Prozent. Laut dem Weser-Kurier war der Hauptgrund für den Anstieg ein bemerkenswerter Zuwachs im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus, der Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge umfasst.

Die positive Entwicklung im Dezember kommt jedoch nicht ohne Vorbehalte. Das Gesamtjahr 2023 brachte für das Verarbeitende Gewerbe einen Rückgang der Aufträge um 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Bundesregierung hat die Konjunkturprognose für 2025 nach unten korrigiert und erwartet nun ein bescheidenes Wachstum von nur 0,3 Prozent, nachdem zunächst 1,1 Prozent veranschlagt wurden. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, äußert sich zwar erfreut über das Auftragsplus, sieht jedoch keinen Anzeichen für einen Trendwechsel in der Industrie.

Volatilität der Aufträge

Die Analyse der Auftragsentwicklung zeigt eine große Volatilität im Verarbeitenden Gewerbe. So kam es Ende 2024 zu einem deutlichen Anstieg der Aufträge, die saison- und kalenderbereinigt um 6,9 Prozent im Vergleich zum November stiegen, nachdem dieser im Vormonat um 5,2 Prozent zurückgegangen war. Im Fokus standen erneut die Großaufträge im Fahrzeugbau, die um 55,5 Prozent zulegten und den Rückgang von fast 58 Prozent im November überwanden. Die Zeit berichtet zudem von einem 8,6-prozentigen Anstieg der Maschinenbauaufträge im Dezember im Vergleich zum Oktober, allerdings verzeichnete die Automobilindustrie einen Rückgang von 3,2 Prozent.

In diesen schwankenden Märkten bleibt das Geschäftsklima auf niedrigem Niveau, und das Bundeswirtschaftsministerium warnt vor einem konjunkturellen Trendwechsel in der Industrie. Zwar gab es Hinweise auf eine Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte 2024, der Abwärtstrend des ersten Halbjahres setzte sich jedoch fort.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Der aktuelle wirtschaftliche Kontext wird durch eine konjunkturelle Erholung geprägt, die erst bei klaren finanziellen und geopolitischen Rahmenbedingungen erwartet wird. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im vierten Quartal 2024 um 0,1 Prozent, was einer vorläufigen Gesamtreduktion um 0,2 Prozent für das Jahr 2024 entspricht. Diese Entwicklung wurde zum Teil durch Produktionsrückgänge im Verarbeitenden Gewerbe bedingt, während konsumnahe Dienstleistungen eine bessere Entwicklung zeigten. Der Datev-Magazin hebt hervor, dass trotz eines leichten Anstiegs der Produktion im Produzierenden Gewerbe im November die allgemeine Auftragslage weiterhin durch volatile Großaufträge beeinträchtigt bleibt.

Die Inflationsrate stieg im Dezember voraussichtlich auf 2,6 Prozent, was durch geringere Rückgänge der Energiepreise und einem Anstieg der Preise im Dienstleistungsbereich bedingt ist. Auch die Unternehmensinsolvenzen zeigten einen dramatischen Anstieg, was auf die anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hindeutet. Am Arbeitsmarkt stabilisierte sich die Situation zwar, jedoch beeinflusste ein moderater Anstieg der Arbeitslosigkeit das Gesamtbild.

Insgesamt bleibt die wirtschaftliche Lage in Deutschland angespannt. Die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe zeigt zwar kurzfristige Erholungszeichen, doch der langfristige Trend bleibt ungewiss, was weiteren wirtschaftlichen Reformbedarf deutlich macht.