Das Korporationswesen, ein zentrales Element der studentischen Kultur, ist geprägt von einem speziellen Code, der für Außenstehende oft schwer verständlich ist. In seiner Kolumne gibt Niclas Rading in freilich-magazin.com interessante Einblicke in das Selbstverständnis der Korporierten und die Rolle der verschiedenen Akteure innerhalb dieser Verbände.

Jede Korporation hat einen Sprecher, der als primus inter pares fungiert und Gepflogenheiten sowie Erfolge und Misserfolge der Aktivitas teilt. Innerhalb dieser Struktur nimmt der Fuxmajor eine oft übersehene, aber bedeutende Position ein. Er ist für die Erziehung der Füxe, den Neulingen in der Verbindung, verantwortlich und leitet wöchentliche Fuxenstunden. Trotz der Bedeutung dieser Aufgabe ist das Amt des Fuxmajors unbeliebt, da Füxe häufig als unerfahren gelten.

Die Herausforderung des Fuxmajors

Der Fuxmajor widmet sich der Einführung und Ausbildung neuer Mitglieder mit Geduld, um sie nicht mit seinem Wissen zu überfordern. Er fördert auch das Trinken und die Disziplin während der Fuxenstunden und trägt die Verantwortung für die Füxe, selbst wenn diese Fehler machen. Oft werden die Erfolge der Füxe als übernatürlich wahrgenommen, während ihm die Misserfolge zugeschrieben werden. Diese ambivalente Beziehung drückt auch seine Fürsorge aus, denn er erkennt das Potenzial der Füxe und sieht sich als einen wichtigen Mentor, der einen großen Einfluss auf ihren Werdegang hat.

Dabei bleibt der Fuxmajor gelassen, da er sich darüber im Klaren ist, dass er selbst ähnliche Fehler gemacht hat. Dies zeigt, wie wichtig das Amt ist, auch wenn es oft im Schatten anderer Führungsfiguren der Verbindung steht. Die Herausforderung, die Füxe auf die Burschenprüfung vorzubereiten, stellt einen weiteren Meilenstein in ihrer Entwicklung dar, da sie diese bestehen müssen, um in die Freiheit entlassen zu werden. Der Fuxmajor trägt seinen Titel stolz und weiß um seine unentbehrliche Rolle im Bund.

Der Kontext der Studentenverbindungen

Studentenverbindungen sind seit der frühen Neuzeit an europäischen Universitäten verbreitet und gründlich in der studentischen Sozialisation verwurzelt. Im deutschen Sprachraum sind sie als Verbände von Studenten und Alumni bekannt, die Traditionen und Brauchtum pflegen. Laut Wikipedia zählt Deutschland etwa 1.000 dieser Verbindungen, die in rund 30 Korporationsverbänden organisiert sind. Während weniger als 1% der Studierenden Mitglied sind, gibt es international über 1.600 Verbindungen mit mehr als 190.000 Mitgliedern.

Gemeinsame Merkmale dieser Verbindungen sind das Convent und der Lebensbund, wobei nur sie studentische Kneipen pflegen und aktive MitgliederFeste, sportliche Aktivitäten sowie wissenschaftliche Weiterbildungen organisieren. Auch das akademische Fechten, bekannt als Mensur, war lange ein fester Bestandteil vieler traditioneller Verbindungen. Es ist bemerkenswert, dass der Anteil der Studierenden, die einer Verbindung angehören, im deutschen Kaiserreich bis zu 60% betrug, während dieser heute geringer ist und die Mitglieder der Korporationen sich stark in ihren Prinzipien und Gebräuchen unterscheiden.

Die studentische Kultur hat sich über die Jahrhunderte gewandelt. Insbesondere während der Nationalsozialismus erlebten viele Verbindungen eine Zwangsangleichung. Sie wurden genehmigt, aufgehoben und nach der Wiedervereinigung 1989 vielerorts neu etabliert. So bleibt klar, dass die Funktion und Wahrnehmung der Korporationen heute eine andere ist als noch vor einigen Jahrzehnten. Einzig die kontinuierliche Präsenz des Fuxmajors und seiner Verantwortung für die Füxe bleibt ein zentraler Aspekt in der studentischen Verbindungskultur.