Im Rahmen einer besonderen Veranstaltung haben Katty Salié, Kultur-Journalistin und Moderatorin beim ZDF, sowie der Autor und Journalist Till Raether über die Herausforderungen von Depressionen und die Bedeutung von Selbstfürsorge gesprochen. Salié präsentierte Passagen aus ihrem Buch „Das andere Gesicht – Depressionen im Rampenlicht“, in dem sie die tiefgreifenden und oft unzureichend verstandenen Aspekte dieser Erkrankung thematisiert. Laut der Schwäbischen Post sind Depressionen eine der häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen in Deutschland. Fast jeder zweite Bundesbürger ist direkt oder indirekt betroffen, was die Relevanz des Themas unterstreicht.

Karin Specht, Bildungsreferentin bei der keb Ostalbkreis, beleuchtet in ihrer Kolumne „Wort zum Sonntag“ ebenfalls die Notwendigkeit der Selbstachtsamkeit, die gerade in der Fastenzeit viele Menschen anregen kann, über persönliche Bedürfnisse und Beziehungen nachzudenken. Specht hebt hervor, dass das Ernstnehmen der eigenen Erkrankung für Betroffene der erste und entscheidende Schritt ist.

Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen

Ein zentrales Problem, das sowohl Salié als auch Raether ansprechen, ist die Stigmatisierung, die mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen einhergeht. Diese Stigmatisierung wird oft als „zweite Krankheit“ bezeichnet und führt dazu, dass Betroffene sich ausgegrenzt fühlen und nicht gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Viele haben Angst oder Scham, sich Hilfe zu suchen, was das Risiko der Chronifizierung erhöht, wie das Ärzteblatt ausführlich darlegt.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, setzt sich das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen ein. Initiativen wie die Aktionswoche Seelische Gesundheit, die jährlich im Oktober stattfindet, sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und Vorurteile abzubauen. Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht eine Aufklärungskampagne zur Entstigmatisierung vor, um das Bewusstsein für psychische Erkrankungen in der Gesellschaft zu fördern.

Wichtigkeit der Selbstfürsorge

Die Themen Selbstfürsorge und das Ernstnehmen eigener Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt der Diskussion. Till Raether betont, dass es für ihn ein Schlüsselerlebnis im Japanisch-Kurs gab, das ihn dazu brachte, seine eigenen Gefühle ernst zu nehmen. Dies ist eine wichtige Botschaft an alle Betroffenen: Selbstfürsorge, die nicht nur bei Erkrankungen von Bedeutung ist, spielt eine entscheidende Rolle in der persönlichen Gesundheitsvorsorge.

Die gesellschaftliche Diskussion über psychische Erkrankungen sollte auch in Schulen und am Arbeitsplatz stärker gefördert werden. Die Lancet Commission on Ending Stigma and Discrimination in Mental Health empfiehlt, dass Schulen ihre Lehrpläne anpassen, um ein besseres Verständnis für psychische Erkrankungen zu schaffen und Arbeitgeber sollten Programme unterstützen, die eine Rückkehr psychisch kranker Mitarbeiter erleichtern.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass es unerlässlich ist, das Thema Depressionen offen zu kommunizieren und die von Stigmatisierung betroffenen Personen ernst zu nehmen. Ein erster Schritt in diese Richtung könnte sein, das eigene Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu stellen und das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu fördern.