Eine aktuelle Umfrage zeigt eine breite Zustimmung zu elektronischen Patientenakten (ePA) in Deutschland. Laut faz.net halten 79 Prozent der Befragten diese digitale Lösung für sinnvoll. Der Rückhalt ist dabei unter Männern mit 82 Prozent etwas höher als unter Frauen, die eine Zustimmung von 75 Prozent aufweisen. Ab dem 15. Januar 2024 wird allen gesetzlich Versicherten eine ePA zur Verfügung stehen, sofern sie nicht aktiv widersprechen.
Die ePA wird als digitaler Speicher für Befunde, Laborwerte und Medikamentenangaben fungieren. Zu den Vorteilen zählen, dass 87 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, die ePA helfe, wichtige Dokumente parat zu haben, und 70 Prozent überzeugt sind, dass sie die Gesundheitsversorgung verbessere. Zudem möchten 76 Prozent ihre ePA auf dem Smartphone einsehen, während 16 Prozent dies ablehnen.
Testphase und Umsetzung
Eine Testphase für die ePA beginnt am 15. Januar in den Regionen Hamburg, Franken und Nordrhein-Westfalen, wo über 250 Praxen, Apotheken und Krankenhäuser beteiligt sind. Nach einer erfolgreichen Testphase soll der bundesweite Einsatz voraussichtlich ab Mitte Februar erfolgen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wird sich vor dem Start in einer Praxis in Köln über die Entwicklung informieren.
Ein zusätzliches Augenmerk liegt auf den Umfragen von aok.de, die im August 2024 durchgeführt wurden. Hier gaben 61 Prozent der Befragten an, die automatische Einrichtung einer ePA ab 2025 zu befürworten. Diese Regelung folgt dem Opt-out-Prinzip, wobei knapp 20 Prozent die Regelung ablehnen und etwa 15 Prozent unentschieden sind. Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, betont die Wichtigkeit von Aufklärung über die Vorteile der ePA und den Schutz der Gesundheitsdaten.
Angst um Datensicherheit
Trotz der allgemeinen Zustimmung haben 51 Prozent der Befragten Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit. Ein weiteres Resultat der Umfrage von deloitte.com zeigt, dass die Akzeptanz der Digitalisierung im Gesundheitswesen in den letzten 12 Monaten gesunken ist. Viele Bürger sind unentschlossen bezüglich neuer Maßnahmen wie der ePA oder assistierter Telemedizin.
Die ePA wurde ursprünglich 2021 eingeführt, fand jedoch zunächst geringe Nutzung. Die Einführung des Opt-out-Systems soll die Nutzung entscheidend steigern. Von den potenziell 70 Millionen ePAs, die entstehen könnten, wird erwartet, dass erste Daten ab Sommer 2025 auch für Forschungszwecke pseudonymisiert verwendet werden.
Ein gemeinsames Ziel der Digitalisierungsstrategie des Gesundheitsministeriums ist es, den Nachholbedarf im internationalen Vergleich zu adressieren. Fragen zur Nutzung von Gesundheitsdaten und Vertrauen der Bürger in digitale Anwendungen stehen bei den bevorstehenden Veränderungen im Vordergrund.