In Ellwangen hat Kapitän zur See Michael Giss, Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg, die Bevölkerung eindringlich vor den aktuellen Bedrohungen gewarnt. In einem Vortrag, der im Olgasaal der Reinhardt-Kaserne stattfand und von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) Ostwürttemberg organisiert wurde, erläuterte Giss die herausfordernde Lage der Sicherheitsarchitektur Deutschlands und die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Verteidigungsstrategie. Besonders die Gefahren von Desinformation, Cyberangriffen, Ausspähungen und Sabotage standen im Fokus seiner Ausführungen. Diese Themen sind nicht nur theoretischer Natur, sondern betreffen den Alltag der Bürger direkt.
Giss präsentierte den 2022 konzipierten Operationsplan Deutschland, der eine umfassende Umstrukturierung der Bundeswehr beinhaltet. „Der russische Angriff auf die Ukraine zeigt, dass Kriege nah sind und persönliche Freiheiten verteidigt werden müssen“, so Giss. Deutschland befindet sich, laut seiner Einschätzung, in einer militärischen Zwischenzone: Es ist nicht im Krieg, aber auch nicht im Frieden. Hybride Bedrohungen seien bereits im Alltag präsent und erforderten einen neuen gesamtstaatlichen Ansatz für die militärische und zivile Verteidigung.
Erforderliche Maßnahmen und Ziele
Die primären Ziele der neuen Verteidigungsstrategie sind die Kriegstüchtigkeit, Kaltstartfähigkeit und Durchhaltefähigkeit für Deutschland. Giss betonte die Notwendigkeit, die Bundeswehr nicht nur wieder aufzubauen, sondern auch auszubilden und finanziell zu stärken. Hierbei sei wichtig, dass Deutschland im Bündnisfall als Logistik-Drehschreibe fungiere. „Die Akzeptanz militärischer Maßnahmen in der Bevölkerung, insbesondere bei Truppenverlegungen, ist entscheidend“, fügte er hinzu.
Ein weiteres zentrales Anliegen Giss’ ist die Verbesserung der privaten IT-Sicherheit. Die Bevölkerung wird aufgefordert, wachsam zu sein und gegebenenfalls Vorräte anzulegen, um sich gegen mögliche Bedrohungen zu wappnen. Dies ist besonders relevant in der aktuellen Zeit, in der Cyberangriffe als ernsthafte Bedrohung für die nationale Sicherheit und die individuelle Sicherheit angesehen werden. Laut bundeswehr.de sind Cyberangriffe eine der größten Herausforderungen der modernen Sicherheitsarchitektur.
Die Rolle des Landeskommandos
Das Landeskommando Baden-Württemberg fungiert als wichtiger Ansprechpartner für die Landesregierung in der zivil-militärischen Zusammenarbeit und stellt die Verbindung zwischen den verschiedenen Ebenen der Regierung und der Bundeswehr sicher. Dies umfasst auch die Beratung zu Unterstützungsleistungen durch Reservisten, die in den Verbindungskommandos untergebracht sind. Ein fließender Informationsaustausch und die Einbeziehung der Zivilgesellschaft spielen eine entscheidende Rolle in der neuen Strategie.
Abschließend appellierte Giss an alle Anwesenden, die aktuellen Entwicklungen ernst zu nehmen und sich proaktiv mit den Themen Sicherheit und Verteidigung auseinanderzusetzen. Nur durch einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz kann Deutschland bereit sein, den Herausforderungen der Zukunft entschlossen entgegenzutreten, wie auch das kürzlich gehaltene Symposium der Bundeswehr unter dem Motto „Deutschland gemeinsam verteidigen“ zeigte. Diese Zusammensetzung von militärischer und ziviler Verantwortung soll dazu beitragen, eine resiliente Gesellschaft zu formen, die in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt. Weitere Informationen zu den strategischen Entwicklungen können auf den Webseiten der Bundeswehr nachgelesen werden.