Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat in einem aufsehenerregenden Verfahren zwei Brüder verurteilt, die in der Silvesternacht 2023/24 im Sana-Klinikum Lichtenberg, Berlin, ein Krankenhauspersonal angegriffen hatten. Der 26-jährige Bruder erhielt eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, während der 22-jährige Bruder für zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter muss. Ihre Strafen wurden ohne Bewährung ausgesprochen, was auf die Schwere der Taten hinweist. Wie Welt berichtet, waren die Brüder lautstark in der Notaufnahme erschienen, weil der Jüngere sich bei einer Silvesterfeier an einem Glas geschnitten hatte.

Die Aggressivität der Brüder nahm zu, als sie nicht umgehend behandelt wurden. Trotz einer Erstversorgung durch die Mitarbeiter und der wartenden Ärzte kam es zu einem tätlichen Angriff. Ein Arzt wurde mit einem Faustschlag ins Gesicht verletzt, wobei er eine Platzwunde an der linken Augenbraue erlitt. Ein Kollege zog sich eine Gehirnerschütterung zu, als er versuchte, den Angreifern Einhalt zu gebieten. Die Vorsitzende Richterin Felicitas van Beek sprach von einem „absolut unverständlichen“ Verhalten und unterstrich die Ernsthaftigkeit des Vorfalls, der das medizinische Personal in akute Gefahr brachte.

Eskalation der Situation

Die Situation eskalierte, als die Brüder, enttäuscht über die Wartezeit, drohten, das Klinikpersonal zu verletzen und mit Gewalt zu konfrontieren. Der 22-jährige Bruder gab zu, zum Zeitpunkt der Taten stark alkoholisiert gewesen zu sein. Vor Gericht entschuldigten sich beide Angeklagten für ihr Verhalten, was jedoch nicht zu einer Milderung der Strafen führte. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine zu erwartende Gesamtstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten für den Jüngeren und ein Jahr und neun Monate für den Älteren gefordert, wie Tag24 schildert.

Ein dritter Bruder, der jüngste, war ebenfalls in die Auseinandersetzung verwickelt, doch das Verfahren gegen ihn wurde vorläufig eingestellt, da sein Aufenthaltsort unbekannt war.

Hintergrund der Gewaltkriminalität

Die Vorfälle in der Notaufnahme des Sana-Klinikums stehen im Kontext einer zunehmenden Gewaltkriminalität in Deutschland. Nach den jüngsten Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik 2023 gab es mit 214.099 erfassten Fällen von Gewaltkriminalität den höchsten Stand seit 2007, mit einem Anstieg von 8,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Polizei stellt fest, dass die Zahl tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher weiter steigt, was Sorgen um die Sicherheit in den öffentlichen Raum und die Gesundheitsversorgung aufwirft laut BKA.

Die Taten der Brüder sind ein alarmierendes Beispiel dafür, wie Gewalt gegen medizinisches Personal zur tragischen Realität geworden ist. In einer Zeit, in der der Druck auf Krankenhausmitarbeiter steigt, sind solche Übergriffe nicht nur eine Bedrohung für die Täter selbst, sondern wirken sich auch tiefgehend auf alle in der Gesundheitsversorgung Tätigen aus.