Die Infrastruktur in Deutschland steht momentan im Fokus, da die Planung von Investitionen durch die schwarz-rote Koalition voranschreitet. Dies geschieht inmitten der anhaltenden Probleme mit maroden Brücken, die das Land belasten. Insbesondere der tragische Einsturz der Carolabrücke in Dresden, der fünf Monate zurückliegt, verdeutlicht die dringenden Handlungsnotwendigkeiten. Zum Zeitpunkt des Unfalls war die Brücke bereits seit 2019 in Sanierung, und der eingestürzte Abschnitt sollte im kommenden Jahr als letzter Teil der Arbeiten bearbeitet werden. Die Stadt Dresden plant nun, mit dem Wiederaufbau erst 2027 zu beginnen, was drei Jahre nach dem Einsturz liegt und den finanziellen Rückhalt noch nicht gesichert hat. Tagesschau berichtet von Zweifeln des CDU-Stadtrats Veith Böhm hinsichtlich der Einhaltung dieses Zeitplans, wobei das Risiko besteht, dass die Fertigstellung sich bis 2030 hinauszögert.
Der schleichende Verfall der Brückeninfrastruktur ist kein Einzelfall. Deutschland verfügt über ein Netz von etwa 39.500 Brücken, das überwiegend in den Jahren 1965 bis 1985 erbaut wurde. Der zunehmende Schwerverkehr und die Altersstruktur erfordern umfassende Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Ein Programm zur Brückenmodernisierung soll die notwendigen Schritte beschleunigen, um die Tragfähigkeit und Sicherheit der Brücken zu gewährleisten. Bis 2030 ist eine umfassende Modernisierung angestrebt, für die Gesamtkosten in Höhe von etwa 9,3 Milliarden Euro eingeplant sind. BMVI betont, dass die Ertüchtigung gerade für den Schwerverkehr von entscheidender Bedeutung ist.
Zeitliche Verzögerungen und rechtliche Hindernisse
Die Situation wird durch verschiedene Interessen und rechtliche Mittel, die von Anwohnern und Umweltverbänden ins Feld geführt werden, zusätzlich verkompliziert. Diese Faktoren führen dazu, dass Entscheidungen in vielen Fällen verzögert werden. Keine Ausnahme bildet die Saalebrücke Salzmünde bei Halle, deren Fertigstellung sich auf 2027 verzögert hat, 24 Jahre nach dem ursprünglichen Planungsbeginn.
Ein weiteres Beispiel ist die Hamburger Köhlbrandbrücke, die ebenfalls ersetzt werden muss. Hier könnte die Planung und der Bau bis zu 30 Jahre in Anspruch nehmen. Dies wäre besonders kritisch, da die alte Brücke nur bis 2030 genutzt werden kann. Eine Sperrung würde gravierende Folgen für den Hafen und die gesamte Wirtschaft haben. Entwicklungsstadt hebt hervor, dass eine Vielzahl von Vorschriften und die langsame Projektumsetzung in Deutschland laut Ingenieur Steffen Marx ebenfalls für diese Verzögerungen verantwortlich sind.
Vergleich mit internationalen Standards
Im internationalen Vergleich stehen deutsche Infrastrukturprojekte oft schlechter da. In Ländern wie China und Kroatien werden Brücken schneller abgerissen und neu aufgebaut. Währenddessen wächst in Deutschland der Druck auf die Bundesregierung, geeignete Maßnahmen zur Beschleunigung der Verfahren zu ergreifen. Experten warnen vor möglichen weiteren Brückeneinstürzen, und die Notwendigkeit, die Sicherheit der bestehenden Brücken zu erhöhen, wird immer dringlicher.
In Berlin werden ähnliche Herausforderungen beobachtet, wo Brücken wie die Elsenbrücke, Mühlendammbrücke und die Neue Gertraudenbrücke saniert oder neu gebaut werden müssen. Viele dieser Brücken, erbaut in den 1970er Jahren, zeigen bereits jetzt Abnutzungserscheinungen. Dies geht einher mit einer verstärkten Überprüfung der Brückensicherheit in der Hauptstadt, die in der Folge des Unglücks in Dresden erfolgt ist.