Miami-Dade County sieht sich einer schweren Abfallbewirtschaftungskrise gegenüber, nachdem die beiden Mülldeponien fast voll sind und ein Incinerator, der zur Müllverwertung diente, im Februar 2023 bei einem Brand zerstört wurde. Die Bürgermeisterin des Landkreises, Daniella Levine Cava, hatte daraufhin einen Plan für ein 1,5 Milliarden Dollar teures Müllverbrennungswerk vorgeschlagen, welches in der Lage sein sollte, Strom für 70.000 Haushalte zu erzeugen und die Umweltverschmutzung zu reduzieren. Dieses geplante Werk würde das größte seiner Art in den USA werden. Allerdings stieß die Initiative auf Widerstand von Umweltschützern und Anwohnern, die bereits negative Erfahrungen mit dem alten Incinerator gemacht hatten, insbesondere hinsichtlich des Geruchs.

Die USA produzieren mehr Müll als die meisten anderen Länder und liegen beim Recycling und Kompostieren hinterher, was die Abhängigkeit von Verbrennung oder Deponierung verstärkt. Trotz technischer Fortschritte, die in anderen Ländern eine umweltfreundlichere Verbrennung ermöglichen, bleibt die öffentliche Meinung geteilt. Nach einem starken öffentlichen Rückschlag, einschließlich Lobbyarbeit von Mitgliedern der Trump-Familie, zog Levine Cava schließlich ihre Unterstützung für den Incinerator-Plan zurück.

Handlungsalternativen und Umweltbewusstsein

Der Landkreis nutzt momentan eine Notmaßnahme, um Abfälle 100 Meilen nach Norden zu einer Mülldeponie in Zentralflorida zu transportieren. Vor dem Brand behandelte der alte Incinerator jährlich etwa 1 Million Tonnen Müll, was ungefähr der Hälfte des gesamten Abfalls des Landkreises entsprach. Anwohner berichteten von Problemen wie Aschestaub, Fliegen, Lärm und einem starken Geruch, die die Lebensqualität in ihrer Umgebung beeinträchtigten.

Die Abteilungsleiterin für Müllentsorgung warnte, dass die Region ohne eine neue Lösung für die Abfallbewirtschaftung in eine Müllkrise geraten könnte. Pointiert bemerkte sie, dass Entwicklungen im Immobiliensektor stagnieren könnten, falls keine geeignete Lösung gefunden wird. Obwohl Deponien in der Errichtung kostengünstiger sind als Incineratoren, erzeugen sie tendenziell mehr Treibhausgase, insbesondere Methan, was ein wichtiges Argument in der laufenden Debatte ist.

Kreislaufwirtschaft als langfristige Lösung

Umweltschützer betonen, dass das Problem der übermäßigen Müllproduktion angegangen werden muss. Miami-Dade produziert pro Kopf doppelt so viel Müll wie der nationale Durchschnitt, was teilweise auf den Tourismus zurückzuführen ist. Lokale Aktivisten setzen sich für Abfallreduktion, Recycling und Kompostierung als nachhaltigere langfristige Lösungen ein. Aktuell beträgt die Quote für Recycling und Kompostierung im Landkreis nur 19 Prozent, was unter dem nationalen Durchschnitt von 30 Prozent liegt.

Levine Cava plante anfangs auch neue Recycling- und Kompostierungseinrichtungen parallel zum Incinerator. In der Zwischenzeit empfiehlt die Bürgermeisterin, weiterhin Abfälle nach Zentralflorida zu transportieren und nach Optionen für eine neue Deponie außerhalb von Miami-Dade County zu suchen. Der Kreisverwaltung stehen am 19. Februar wichtige Entscheidungen über die zukünftige Abfallbewirtschaftungsstrategie bevor.

Im globalen Kontext wird die Dringlichkeit von Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft auch durch internationale Vereinbarungen wie das Pariser Klimaabkommen unterstrichen, das darauf abzielt, die Erderwärmung zu begrenzen. Länder, die dem Global Methane Pledge beigetreten sind, haben sich verpflichtet, die Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent zu senken, was auch Abfalldepots betrifft. Studien zeigen, dass Kreislaufwirtschaft Prinzipien in der Produktion von Lebensmitteln, Zement, Stahl, Plastik und Aluminium die Emissionen bis 2050 nahezu halbieren könnten.