Am 27. März 2025 wird Daniel Schulz, ein talentierter Autor und Journalist, um 19.00 Uhr an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) aus seinem Debütroman „Wir waren wie Brüder“ lesen. Die Veranstaltung findet im Logensaal statt, moderiert von Kirsten Schroeter, der wissenschaftlichen Leiterin des Studiengangs Mediation und Konfliktmanagement. Interessierte müssen sich nicht anmelden, um an dieser wichtigen Lesung teilzunehmen, die den Auftakt zur Konferenz „Haltung zeigen!? Diversitätsdiskurse und Konfliktbearbeitung“ bildet, die am 28. März beginnen wird.

In „Wir waren wie Brüder“ beleuchtet Schulz das gewaltvolle Aufwachsen junger Männer im brandenburgischen Raum nach der Wende. Das Buch bietet eine eindringliche Perspektive auf die Zeit nach der Revolution von 1989, in der alte Gewissheiten zerbrachen. Der Erzähler, der als zehnjähriger Junge durch die Ereignisse des Mauerfalls geprägt wird, fantasisiert zusammen mit seinem Freund über einen Afrikanischen Kontinent, während er gleichzeitig mit der Realität der rassistischen Gewalt in Ostdeutschland konfrontiert wird. Diese brutalen Erlebnisse haben einen tiefgreifenden Einfluss auf die Charakterbildung und das Selbstverständnis der Jugend in dieser schwierigen Zeit.

Berichte über das Aufwachsen in Brandenburg

Die Erzählung beginnt 1989 und folgt dem jungen Erzähler bis ins Jahr 2000, wo er in seinen Zwanzigern mit einer tiefen Desillusionierung kämpft. Schulz thematisiert in seinem Buch nicht nur die Schwierigkeiten des Aufwachsens, sondern auch die gesellschaftlichen Umbrüche, die die Wiedervereinigung mit sich brachte. Alte Strukturen wie Fabriken wurden geschlossen und enteignete Gärten zurückgegeben, während westdeutsche Produkte die kulturelle Landschaft veränderten. Diese chronologische Erzählweise liefert interessante Einblicke in die Erziehungs-, Familien- und Gesellschaftsstrukturen der damaligen Zeit.

Die Verbindung von literarischen Inhalten und zeitgeschichtlichen Ereignissen ist in der ostdeutschen Literatur seit der Wiedervereinigung von großer Bedeutung. Schriftsteller haben hierbei oft zwischen Anpassung und Widerstand geschwankt. Viele mussten sich mit den Veränderungen arrangieren, was bei Autoren wie Stefan Heym zu dem bemerkenswerten Vergleich führte, dass die neue Freiheit wie das Öffnen von Fenstern nach Jahren der Unterdrückung sei, so die Analyse von NDR.

Ein wichtiger Bericht über Naziterror

In „Wir waren wie Brüder“ wird die Thematik des Naziterrors nach der Wende besonders hervorgehoben. Schulz beschreibt, wie diese gesellschaftlichen Probleme auch Einfluss auf die heutigen Generationen haben. Sein literarisches Debüt erschien im Jahr 2022 und wurde als wichtiger Beitrag zur Diskussion über die Auswirkungen von Gewalt in der Gesellschaft in den 1990er Jahren angesehen. In seinem zweiten Buch, „Ich höre keine Sirenen mehr – Krieg und Alltag in der Ukraine“, das 2023 veröffentlicht wurde, setzt er sich erneut mit zeitgenössischen Themen auseinander.

Daniel Schulz wurde 1979 in Potsdam geboren und wuchs in mehreren brandenburgischen Dörfern auf. Seine Ausbildung in Journalistik an der Hochschule für Journalistik in Leipzig bildete die Grundlage für seine spätere Karriere, in der er für verschiedene ostdeutsche Regionalzeitungen sowie als Reporter bei der Berliner tageszeitung (taz) tätig war. Schulz hat sich insbesondere mit den Themen Rechtsextremismus und den gesellschaftlichen Herausforderungen in Ostdeutschland auseinandergesetzt und wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet.

„Wir waren wie Brüder“ ist nicht nur ein Buch über individuelle Schicksale, sondern auch ein Spiegel der gesamtdeutschen Gesellschaft, das die Herausforderungen und die Gewalterfahrung der Jugend in Ostdeutschland nachzeichnet. Es hat sich als bedeutender Beitrag zur ostdeutschen Literatur etabliert, die sich ständig weiterentwickelt und auch neue Stimme wie die von Schulz in den Fokus rückt, wie Deutschlandfunk beschreibt.