In diesem Jahr feiert Velten ein bemerkenswertes Jubiläum: 675 Jahre bewegte Ortsgeschichte. Der erste Höhepunkt im Festjahr fand bereits beim Neujahrsempfang in der Ofenstadthalle statt, wo Bürgermeisterin Ines Hübner und Stadtverordnetenvorsteher Marcel Siegert zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft begrüßten. Während der Veranstaltung wurde das ehrenamtliche Engagement des Vorstands-Teams des Fördervereins der Linden-Grundschule gewürdigt, das durch das Spendenprojekt „Velten läuft“ Geld für zahlreiche Projekte gesammelt hat. Zu den erwähnenswerten Initiativen zählen die Trampolin-AG, das Projekt „Die Hühner auf dem Schulhof“ und das Schmetterlingsprojekt. Die Preisübergabe erfolgte an Kerstin Schabelon, Mareen Schmelter, Anke Richter und Janine Ecke.
Ines Hübner nutzte die Gelegenheit, um über die Geschichte Veltens zu sprechen, die im Jahr 1350 beginnt. Seit der Gründung sind mehr als 246.500 Tage vergangen. Der ursprüngliche Name des Ortes variierte von „Veltem“ über „Feltzin“, „Feltym“ bis hin zu „Feldhain“. In dieser langen Zeit entwickelte sich der Ort nur langsam. So gab es um 1700 lediglich zwölf Bauerngüter, eine Kirche, einen Dorfkrug und zwei Dorfteiche. Erst die Entdeckung von Ton im 19. Jahrhundert führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der die Bevölkerungszahl innerhalb von 70 Jahren von 300 auf 7.500 erhöhte.
Wirtschaftlicher Aufschwung durch Ton
Die bemerkenswerte Entdeckung von Tonvorkommen in den Pötterbergen westlich von Velten fiel immer wieder ins Blickfeld. Dieser Rohstoff war seit dem Mittelalter bekannt, sodass bereits Bauern Ton an Töpfereien und Ziegelbäcker in der Umgebung sowie nach Berlin verkauften. Ende der 1830er Jahre übernahm die Familie Ackermann die Produktion von Ofenkacheln; 1835 wurde in Velten die erste Ofenkachelfabrik eröffnet. Diese Entwicklung machte die „Veltener Kachel“ international bekannt und legte den Grundstein für eine tragende Industrie im Ort. Um 1905 gab es bereits 42 Ofenfabriken und Ziegelei mit über 2.000 Beschäftigten in der Stadt.
Die Veltener Ofenindustrie erzielte während ihrer Blütezeit beeindruckende Jahresproduktionen von über 100.000 Kachelöfen, die vor allem nach Berlin verkauft wurden. Die heutigen Besucher können im Ofen- und Keramikmuseum in der Wilhelmstraße 32 die Geschichte dieser herausragenden Branche nachvollziehen. Dort wird auch die weiße Schmelzglasur gewürdigt, die von dem Töpfer Tobias Christoph Feilner entwickelt wurde und gut mit dem Veltener Ton harmoniert. Eine interessante Tatsache ist, dass die letzte Ofenkachelfabrik in Velten heute noch existiert.
Historische Rückblicke und Neubauprojekte
Die Stadt hat in den letzten 15 Jahren mehr als 65 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert, um städtische Gebäude, Sportanlagen und die Brand- und Katastrophenabwehr auszubauen. Velten gehört zum Landkreis Oberhavel und bildet mit Oranienburg und Hennigsdorf einen Wachstumskern in Brandenburg. Eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude aus der Zeit der Tonwarenproduktion prägt bis heute das Stadtbild.
Der Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1893 und die Eröffnung eines Industriehafens im Jahr 1910 führten zu einer weiteren Stabilisierung der Wirtschaft und zur Erhöhung der Bevölkerung auf rund 9.000. Trotz diverser Rückschläge, unter anderem während und nach den beiden Weltkriegen, zeigt Velten eine bemerkenswerte Resilienz und hat sich immer wieder neu erfunden.
Das heutige Velten pflegt aktiv sein historisches und kulturelles Erbe. Das Ofen- und Keramikmuseum sorgt dafür, dass der Ruf als „Ofenstadt“ bewahrt bleibt, während das Hedwig Bollhagen Museum, das seit 2015 besteht, den künstlerischen Nachlass der renommierten Keramikerin würdigt. Die Stadt hat sich nicht nur als ein Ort der industriellen Tradition, sondern auch als ein Standort für modernes Leben und zukünftige Entwicklungen etabliert.
Für weiterführende Informationen bietet das Ofen- und Keramikmuseum detaillierte Einblicke in die beeindruckende Geschichte der Tonwarenindustrie und der Stadt Velten. Über die wirtschaftlichen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft in Velten berichtet Wikipedia umfassend. Bestätigt durch aktuelle Feierlichkeiten ist sich Velten seiner Vergangenheit bewusst und blickt zugleich optimistisch in die Zukunft.