Die Berliner Grünen haben ihren Direktkandidaten im Wahlkreis Pankow ausgetauscht. Stefan Gelbhaar, der seit 2017 dem Bundestag angehört, musste bei der Wahlversammlung am Dienstagabend eine herbe Niederlage einstecken. Sein Nachfolger, Julia Schneider, setzte sich mit 74,3 Prozent der Stimmen durch. Diese Entscheidung kommt im Kontext mehrerer Belästigungsvorwürfe gegen Gelbhaar, die dieser als „Lüge“ zurückweist.

Bei der Versammlung trat Gelbhaar selbst als einer von drei Bewerbern an, erzielte jedoch nur 127 Stimmen, während Schneider 269 Stimmen erhielt. Ein anderer Bewerber, Reginald Grünenberg, erhielt lediglich 7 Stimmen. Gelbhaar war erst im November 2024 mit 98,4 Prozent der Stimmen als Direktkandidat bestätigt worden, scheint nun jedoch am Ende seiner Bundestagskarriere zu stehen. Er steht nicht auf der Landesliste seiner Partei für die kommende Wahl.

Hintergrund der Entscheidung

Die Belästigungsvorwürfe, die gegen Gelbhaar erhoben wurden, haben erhebliche Folgen für seine politische Laufbahn. Der Kreisvorstand hatte ihm geraten, von seiner Kandidatur Abstand zu nehmen. Gelbhaar sieht die Anschuldigungen als Teil einer gezielten Diskreditierungskampagne und plant, juristisch gegen die Vorwürfe vorzugehen. Derzeit liegen laut Polizei und Staatsanwaltschaft keine Anzeigen gegen ihn vor.

Julia Schneider, die neue Kandidatin, ist seit 2021 Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie erklärte, sich auf grüne Themen konzentrieren und eine sichere Umgebung für Frauen im Kreisverband schaffen zu wollen. In ihrer Ansprache betonte sie, wie wichtig es sei, ein vertrauenswürdiges und sicheres Umfeld in der Politik zu fördern, insbesondere für Frauen.

Reaktionen und Ausblick

Die Vorwürfe gegen Gelbhaar werden derzeit auch von einer Ombudsstelle der Grünen-Bundesgeschäftsstelle untersucht. Diese Untersuchung erfolgt vertraulich, um den betroffenen Frauen einen sicheren Raum zu bieten. Die Entscheidung, Gelbhaar aus dem Rennen um das Direktmandat zu nehmen, könnte langfristige Auswirkungen auf die politische Arbeit der Grünen in Berlin haben.

Für Gelbhaar begann mit dieser Wende eine neue, möglicherweise sehr schwierige Phase. Der Druck auf ihn wächst, da mehrere Frauen gegenseitige Vorwürfe äußerten, die er als „frei erfunden“ bezeichnet. Die Entwicklungen im Pankower Kreisverband könnten eine weitreichende Diskussion darüber entfachen, wie Parteien mit solch schwerwiegenden Vorwürfen umgehen und welche Maßnahmen zur Unterstützung Betroffener ergriffen werden sollten.

Zusammenfassend haben die Berliner Grünen in Pankow mit dem Wechsel der Direktkandidatur ein klares Zeichen gesetzt. Der Fall Gelbhaar wirft auch Fragen über die interne Kultur und Sicherheit in politischen Organisationen auf. Die nächsten Schritte der Untersuchung und die Reaktionen auf die Vorwürfe werden daher genau beobachtet werden.