In Berlin sind Long-Covid-Patienten, insbesondere Kinder, stark von Versorgungsengpässen betroffen. Der Verein NichtGenesenKids hebt hervor, dass Eltern von erkrankten Kindern oft keine spezialisierten Ärzte finden können. Besonders dramatisch ist die Situation für Marlene, eine 14-jährige Schülerin, die seit ihrer Corona-Infektion vor drei Jahren am Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) leidet. Sie ist bettlägerig und hat seit einem Jahr das Haus nicht mehr verlassen können.
Laut Schätzungen des Vereins leben in Berlin rund 6.000 Kinder und Jugendliche mit Long Covid. Viele von ihnen können nicht zur Schule gehen und benötigen dringend eine geeignete medizinische Betreuung. Eine solche Betreuung fehlt bislang weitgehend. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KVB) hat zwar ein Long-Covid-Netzwerk an der Charité etabliert, dessen Hauptzweck der freiwillige Austausch ist, jedoch gibt es keine spezielle ärztliche Betreuung für die betroffenen Kinder. Gesundheitsstaatssekretärin Ellen Haußdörfer (SPD) weist zudem darauf hin, dass bereits eine Hochschulambulanz für Long Covid existiert, dennoch bleibt die Verfügbarkeit von spezialisierten Kinderärzten unzureichend.
Bedarf an spezialisierten Fachpraxen
Die Eltern von Long-Covid-Patienten kritisieren, dass es keine spezialisierten Kinderarztpraxen gibt, die individuelle Therapiepläne entwickeln können. Weiterhin sind viele Medikamente für die Behandlung von Long Covid nicht offiziell zugelassen, was die Behandlungsmöglichkeiten weiter einschränkt. Besonders in Berlin sieht sich die KVB einem massiven Problem gegenüber, da von den geschätzten 12.000 Long-Covid-Patienten in der Stadt die meisten Frauen zwischen 50 und 64 Jahren sind.
Marlene benötigt eine enge medizinische Begleitung durch Spezialisten, die sich mit der Erkrankung auskennen. Ihre Familie ist verzweifelt auf der Suche nach geeigneten Therapien und muss sich bisher auf eigene Faust bemühen, Unterstützung zu erhalten.
Therapien und Unterstützung für Kinder
In anderen Städten gibt es hingegen Fortschritte bei der Behandlung von Long Covid. So bietet die Klinik in Schwabing eine Ambulanz für Kinder mit Verdacht auf primäre Immundefekte an. Dort werden differenzierte Untersuchungen seltener Erkrankungen, einschließlich genetischer Analysen, angeboten. Bei nachgewiesenem primären Immundefekt können gezielte Therapien eingeleitet werden, die einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Betroffenen haben können.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat ebenfalls Schritte unternommen, um die Situation für betroffene Kinder und Jugendliche zu verbessern. Ein Beteiligungsformat wurde eingerichtet, um Erkenntnisse über die Lebenssituation betroffener Kinder und deren Angehöriger zu sammeln. Ziel ist es, die Versorgungs-, Informations- und Unterstützungsbedarfe zu ermitteln und Lösungen zu diskutieren, die den Betroffenen helfen können. Ärzte können darüber hinaus Screening-Unterlagen für die Erfassung typischer Symptome von Long Covid anfordern, was die Diagnose und Behandlung erleichtern soll.