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EU-Verordnung Entwaldungsfreie Lieferketten: Massive Belastungen für Agrar- und Ernährungswirtschaft

Die neue EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sorgt bei zahlreichen deutschen Agrar- und Ernährungsverbänden für Besorgnis. Die Verordnung soll ab dem 30. Dezember 2024 in Kraft treten und verlangt von Erzeugern und Händlern von Kaffee, Kakao, Soja, Palmöl, Rindern, Häuten und Leder, Holz und Kautschuk nachzuweisen, dass ihre Waren aus entwaldungsfreien Anbaugebieten stammen. Dies bedeutet einen großen bürokratischen Aufwand, mit dem sich die betroffenen Unternehmen konfrontiert sehen. Insbesondere die Umsetzung der Verordnung für europäische Erzeuger, deren Produkte bereits aus entwaldungsfreien Gebieten stammen, wird als problematisch angesehen.

Die Verbände argumentieren, dass die Verordnung auch Bürokratielasten für europäische Erzeuger mit sich bringt, obwohl die "Entwaldungs-Problematik" in Europa hinreichend dokumentiert und praktisch nicht vorhanden ist. Die Sorge der Verbände beruht auf der mangelnden Klarheit bezüglich der vorzulegenden Informationen, einem noch nicht ausgereiften IT-System, und der fehlenden staatlichen Kooperation mit wichtigen Herkunftsländern. Zudem weisen die Verbände darauf hin, dass die Umsetzung der Verordnung erhebliche Investitionen und organisatorische Umstellungen erfordert, die ohne klare Kenntnis der exakten Anforderungen der Behörden nicht angestoßen werden können.

Die betroffenen Branchenverbände fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, das drohende Fiasko zu verhindern, indem die Geltung der Verordnung aufgeschoben wird, bis die entscheidenden Fragen für die einzelnen Produkte geklärt sind. Sie argumentieren, dass die rechtssichere Anwendung der Verordnung nur noch zu schaffen ist, wenn die EU-Kommission die technischen und administrativen Hürden zügig aus dem Weg räumt.

Die Umsetzung der EUDR wird auch im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) am 18. Januar in Berlin diskutiert. Die Unterzeichnenden Verbände, darunter der Deutsche Bauernverband, die Fleischwirtschaft und der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie, haben ihre Bedenken in Bezug auf die Umsetzung der Verordnung geäußert.

In der nachfolgenden Tabelle sind die unterzeichnenden Verbände aufgelistet:

| Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) |
| Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) |
| Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE) |
| Der Agrarhandel e.V. (DAH) |
| Deutscher Bauernverband (DBV) |
| Deutscher Kaffeeverband e.V. |
| Deutscher Raiffeisenverband e.V. (DRV) |
| Deutsches Tiefkühlinstitut e.V. (dti) |
| Deutscher Verband Tiernahrung e.V. (DVT) |
| Deutscher Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen e.V. (Grofor) |
| Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) |
| OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V. (OVID) |
| Verband der Deutschen Lederindustrie e.V. (VDL) |
| Verband der Fleischwirtschaft e.V. (VDF) |
| Verein der am Rohkakaohandel beteiligten Firmen e.V. |
| Wirtschaftsverband Häute/Leder e.V. (WHL) |

Die genannten Verbände vertreten ein breites Spektrum der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft und machen gemeinsame Front gegen die möglichen negativen Auswirkungen der EUDR geltend. Es bleibt abzuwarten, ob ihre Forderungen Gehör finden und die Umsetzung der Verordnung entsprechend angepasst wird.



Quelle: Bundesvereinigung Ernährungsindustrie (BVE) / ots

Martin Schneider

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