Am 5. März 2025 feierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seinen 100. Geburtstag im Roten Rathaus in Berlin. Als eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands hat das DIW nicht nur die wissenschaftliche Landschaft des Landes maßgeblich geprägt, sondern auch einen bedeutenden Einfluss auf die Politikgestaltung ausgeübt. Die Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Martina Brockmeier, betonte in ihrer Eröffnungsrede die essentielle Rolle des DIW für die evidenzbasierte Politik und den wissenschaftlichen Austausch zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.

Das DIW wurde 1925 von Ernst Wagemann als Institut für Konjunkturforschung gegründet und hat sich zu dem größten Wirtschaftsforschungsinstitut Deutschlands entwickelt. Der gegenwärtige Präsident, Marcel Fratzscher, hob die Unabhängigkeit des Instituts sowie den Anspruch auf wissenschaftliche Exzellenz hervor. Diese Werte regeln die multidisziplinäre Forschung und die Beratungsdienste, die das DIW in Bereichen wie der Wirtschafts- und Soziologie anbietet.

Bedeutung für den demokratischen Diskurs

Das DIW hat sich als Plattform etabliert, die den evidenzbasierten Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft fördert. Es liefert die nötigen Analysen und Daten, um verantwortungsvolle politische Entscheidungen zu treffen. Laut der Institutsverwaltung wird der demokratische Diskurs durch die herausragende Forschungsarbeit und die engagierte Nachwuchsförderung gestärkt. Hierzu gehört die Bereitstellung einer erstklassigen Dateninfrastruktur, die für die Analyse gesellschaftlicher Transformationsprozesse unerlässlich ist.

Insgesamt beschäftigt das DIW rund 334 Mitarbeiter, davon 139 Wissenschaftler. Der institutionelle Rahmen wird durch eine finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern geformt, die jeweils 50 Prozent des Haushalts ausmachen. Die Zugehörigkeit zur Leibniz-Gemeinschaft ermöglicht dem DIW nicht nur den Zugang zu Ressourcen, sondern auch den Austausch über innovative Forschungsergebnisse. Das Institut zählt zudem zu den Top-10% der ökonomischen Forschungseinrichtungen weltweit, wie in einer Analyse von IDEAS/RePEc vermerkt.

Beispiele für evidenzbasierte Politikgestaltung

Im Kontext der evidenzbasierten Politikgestaltung wurden in den letzten Jahren weltweit zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen. Die Leopoldina initiierte im Jahr 2018 eine entsprechende Initiative, um internationale Best-Practice-Modelle zu erörtern. Dabei wurden in verschiedenen Roundtable-Veranstaltungen Beispiele aus Ländern wie Kanada, Australien und Großbritannien vorgestellt, die wertvolle Einsichten für die Politikgestaltung bieten.

Ein zentrales Ergebnis dieser hochrangigen Veranstaltungen war die Erkenntnis, dass die Rolle von evidenzbasierten Entscheidungsprozessen entscheidend für die Effektivität politischer Maßnahmen ist. Institutionelle Herausforderungen bestehen jedoch weiterhin in der nachhaltigen Verankerung solcher Ansätze in den Regierungsstrukturen der Länder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das DIW mit seiner Expertise und seinem umfassenden Forschungsansatz nicht nur die deutsche Wirtschaftswissenschaft voranbringt, sondern auch als Beispiel für andere Länder dienen kann, die den Wert der evidenzbasierten Politikgestaltung erkennen möchten. Diese neue Ära der Politikberatung könnte dazu beitragen, den Austausch zwischen Wissenschaft und politischen Entscheidungsträgern weiter zu intensivieren.