In Berlin-Steglitz steht die Treitschkestraße im Mittelpunkt einer Kontroversen um die Umbenennung nach dem Historiker Heinrich von Treitschke. Die CDU Steglitz hat kürzlich Briefe an die Anwohner verschickt, in denen sie vor einer möglichen Umbenennung warnt. Verfasserin des Schreibens ist Claudia Wein, die kirchenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Wein bezeichnet in ihrem Brief die Ansichten Treitschkes als „umstritten“, obwohl Wissenschaftler sich einig sind, dass Treitschke ein glühender Antisemit und Rassist war. Trotz der Kritik an Treitschkes Rolle in der Geschichte, war es der CDU Steglitz wichtig, die Verharmlosung des Antisemitismus zu vermeiden, während dieser weltweit zunimmt.
Die Ansichten von Heinrich von Treitschke, der Antisemitismus als eine „natürliche Reaktion des germanischen Volksgefühls“ sah, sind weitreichend und alarmierend. Treitschke äußerte immer wieder negative Äußerungen über Juden, die von vielen seiner Zeitgenossen scharf kritisiert wurden. Historiker wie Wolfgang Benz und Ernst Piper beschreiben Treitschkes Einfluss auf die antisemitische Ideologie in Deutschland als erheblich.
Umbenennungsantrag abgelehnt
Ein Antrag zur Umbenennung der Treitschkestraße in Betty-Katz-Straße wurde im Bezirksparlament Steglitz-Zehlendorf abgelehnt. Der Antrag, der von der SPD-Fraktion gestellt wurde, sah eine Umbenennung nach Kurt Scharf vor, einem ehemaligen Pfarrer und Berliner Bischof, der sich gegen das NS-Regime positionierte. Bei der Abstimmung erhielten die Befürworter der Umbenennung lediglich 12 Stimmen, während 38 Stimmen dagegen, aus den Reihen von CDU, Grünen und Piraten, abgegeben wurden.
Die SPD kritisierte die schwarz-grüne Zählgemeinschaft scharf und warf ihr Geschichtsvergessenheit vor. SPD-Fraktionschef Norbert Buchta äußerte sich zudem kritisch zur Zusammenarbeit mit der CDU. Grünen-Fraktionsmitglied Bernd Steinhoff wies die Vorwürfe zurück und verwies auf eine Abmachung zur Erinnerungskultur, die mit der CDU getroffen wurde. In Steglitz-Zehlendorf gibt es bereits Initiativen wie das Projekt Stolpersteine zur Erinnerung an vertriebene und ermordete Bewohner.
An der Treitschkestraße steht zudem eine Stele, die Informationen über Heinrich von Treitschke bereitstellt. Der angrenzende Park ist nach Harry Bresslau benannt, einem Kollegen von Treitschke, der ihm widersprach. Eine Befragung hat ergeben, dass 78 Prozent der Bewohner der Treitschkestraße gegen eine Umbenennung sind, was die Meinungsverschiedenheit in der Anwohnerschaft unterstreicht.