Fossile Kraftstoffe stehen in der EU vor einem drastischen Preisanstieg. Laut dem Bundesverband EnergieMittelstand (UNITI) könnte der Benzinpreis bis 2027 um bis zu 38 Cent pro Liter steigen, wenn der Verkehrssektor in den EU-Emissionshandel überführt wird. Diese Entwicklung wird durch kürzlich erhöhte CO2-Steuern und steigende Kosten für Gas sowie Heizöl weiter verstärkt. Ein Blick auf die zukünftigen Spritpreise offenbart ein Ungleichgewicht, das viele Bürger finanziell belasten wird. Die Vorhersagen variieren erheblich: Im günstigsten Szenario könnte E-Benzin bis 2040 nur 1,37 Euro pro Liter kosten, während im ungünstigsten Fall die Preise bereits ab 2030 bei 2 Euro pro Liter für Benzin und sogar bis zu 3 Euro pro Liter für Diesel liegen könnten.

Die Einführung eines neuen Emissionshandelssystems (ETS2) für den Straßenverkehr ab 2027 soll den CO2-Ausstoß reduzieren. Mit dem Ziel, die Preise für fossile Brennstoffe zu erhöhen, streben die EU-Institutionen einen CO2-Preis von maximal 45 Euro pro Tonne an. Dieser würde jedoch nur zu einem geringen Preisaufschlag von etwa 10 Cent pro Liter Benzin und 12 Cent pro Liter Diesel führen. Experten warnen jedoch vor weitaus höheren Preisen, die bis zu 300 Euro pro Tonne CO2 erreichen könnten, was einen enormen Preisaufschlag bedeuten würde.

Zukünftige Preisszenarien

Die Prognosen zeigen, dass beim Start des ETS2 im Jahr 2027 die Preise an Tankstellen um bis zu 40 Cent pro Liter steigen könnten. Ohne geeignete Klimaschutzmaßnahmen wird davon ausgegangen, dass die CO2-Preise im europäischen Raum über 200 Euro pro Tonne ansteigen können. Diese Preissteigerungen werden vor allem durch die begrenzte Anzahl verfügbarer ETS-Zertifikate beeinflusst, deren Marktangebot schnell abnehmen dürfte.

Auf internationaler Ebene könnte der Zugriff auf alternative Kraftstoffe wie HVO (synthetisch hergestellter Diesel) und E-Fuels eine mögliche Lösung bieten. Letztere könnten unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahme vom geplanten Verbot fossiler Brennstoffe in der EU erhalten. Der Weg zu einer breiten Massenproduktion von E-Fuels ist allerdings entscheidend für kostensenkende Maßnahmen und könnte gemeinsam mit einer Reform der Energiesteuer zu einer Stabilisierung der Preise führen.

Politische Maßnahmen und gesellschaftliche Auswirkungen

In Anbetracht der weitreichenden Auswirkungen auf die Haushaltskassen der Bürger betont Peter Liese, ein EU-Abgeordneter, dass die Mitgliedsstaaten ihre Bürger auf die bevorstehenden Preissteigerungen vorbereiten sollten. Zugleich wird ein sozialer Klimafonds ins Leben gerufen, um ärmste Haushalte bei den steigenden Kosten zu unterstützen. Mit einem Volumen von 87 Milliarden Euro soll dieser Fonds helfen, die finanziellen Belastungen abzufedern.

Politische Diskussionen über die beste Vorgehensweise zur Senkung des CO2-Ausstoßes werden am lebhaftesten in Deutschland geführt. Die FDP schlägt vor, die höheren Preise für Benzin und Diesel zu nutzen, um den CO2ausstoß im Straßenverkehr zu senken und den Bürgern die zusätzlichen Kosten zurückzugeben. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass der Übergang zu einem höheren CO2-Preis schrittweise gestaltet wird, um unangemessene Belastungen für die Verbraucher zu vermeiden.

Insgesamt stehen die EU und ihre Mitgliedsstaaten vor einer Herausforderung, die den Schutz der Umwelt mit den finanziellen Bedürfnissen der Bürger in Einklang bringen muss. Zukünftige Maßnahmen müssen sorgfältig abgewogen werden, um unverhältnismäßige Belastungen für die Bevölkerung zu vermeiden, während gleichzeitig die Klimaziele erreicht werden sollen.

Weitere Informationen zu den Entwicklungen auf diesem Gebiet finden Sie bei Focus, Euractiv Verkehr und Euractiv Energie und Umwelt.