Am Hafen von Antwerpen wurden in den letzten Monaten bemerkenswerte Fortschritte im Kampf gegen den Drogenhandel erzielt. Der belgische Finanzminister Vincent Van Peteghem hat angekündigt, dass zusätzliche Ressourcen für Kontrollen im Hafen bereitgestellt werden. Dies umfasst den Einsatz von mehr Zollbeamten sowie mobilen Scannern für Container, um die Sicherheit zu erhöhen und die Aktivitäten von Kriminellen abzuschrecken. Laut einem Bericht der FAZ wurde die Zollbehörde mit dieser Strategie besonders erfolgreich, da sie 81 Tonnen Kokain beschlagnahmte, die für Antwerpen bestimmt waren. Dies entspricht fast einer Verdopplung der Menge im Vergleich zum Vorjahr.

Die Anstrengungen, die Drogenströme aus Südamerika zu unterbinden, zeigen ebenfalls Früchte. Auf belgische und EU-weit koordinierte Aufforderung hin haben südamerikanische Länder wie Ecuador, Peru und Costa Rica mobile Scanner installiert, um verdächtige Container vor dem Verschiffen zu kontrollieren. Die größte Menge beschlagnahmten Kokains stammte aus Ecuador, wo neun Tonnen sichergestellt wurden. Allerdings ist diese Zahl im Vergleich zu früheren Jahren rückläufig.

Stabiles Preisniveau und wachsende Herausforderungen

Während der Verkaufspreis für Kokain im illegalen Straßenhandel relativ stabil bei rund 50 Euro pro Gramm bleibt, äußern Experten Bedenken über unentdeckte Mengen. So berichtet die belgische Drogenbeauftragte Ine Van Wymersch über große Mengen, die dem Zoll erfolgreich entgangen sind. Ein darüber hinausgehender Trend zeigt, dass der Drogenhandel sich zunehmend auf andere europäische Häfen verlagert. Im Vorjahr wurde zudem eine Tonne Kokain am Brüsseler Flughafen sichergestellt, was als alarmierendes Signal wahrgenommen wird.

Ein weiterer Faktor, der die Ermittlungen erschwert, ist die Praxis, Lieferungen in zunehmend kleineren Paketen zu versenden. Diese Taktik soll dazu dienen, das Entdeckungsrisiko zu minimieren.

EU-weite Strategien zur Bekämpfung des Drogenhandels

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch den Drogenhandel hat die EU-Kommission einen umfassenden Fahrplan vorgestellt, der die Bekämpfung von Drogenhandel und organisierter Kriminalität intensivieren soll. Nach Angaben der EU-Repräsentation in Deutschland umfasst dieser Plan 17 Maßnahmen und sieht die Einführung einer Europäischen Hafenallianz vor, um die Resilienz der Häfen gegen kriminelle Unterwanderung zu erhöhen.

Die Drogenproblematik wurde besonders dringlich, da Europa mittlerweile die USA als den größten Kokainmarkt der Welt abgelöst hat. 2021 wurden in der EU rekordverdächtige 303 Tonnen Kokain sichergestellt, was die Gefahr durch organisierte Kriminalität verdeutlicht. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson kündigte an, dass die Maßnahmen zur Zerschlagung krimineller Netzwerke und zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Staatsanwälten und Richtern Schwerpunkt der neuen Strategie sein werden.

Um den fortlaufenden Herausforderungen im Bereich der organisierten Kriminalität begegnen zu können, plant die Kommission bis Ende 2023 eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für einen 20 Millionen Euro Fonds zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Zudem wird die EU-Drogenagentur im Sommer 2024 ihre Arbeit aufnehmen und die bestehende Strategie zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität 2021-2025 fortgesetzt.