Prof. Dr. Elisabeth Reber hat am 1. Februar 2025 die Professur für Englische Linguistik an der Universität Hildesheim übernommen. Zuvor war sie über drei Semester als Vertretungsprofessorin an der Hochschule tätig. Ihre akademische Laufbahn begann mit dem Studium der Englischen Sprachwissenschaft, mittelalterlicher Literatur, Nordischer Philologie und Interkultureller Kommunikation in München, welches sie 2002 abschloss. Ihre Promotion im Jahr 2008 in Potsdam fokussierte sich auf die Interaktionsanalyse, wobei sie besonders die Affektivität in authentischen englischen Telefongesprächen untersuchte. Reber hat dabei herausgefunden, dass Gespräche eine systematische Struktur aufweisen und die Verwendung von interjektionalen Elementen sowie Schnalzlauten eine zentrale Rolle bei der Darstellung von Emotionen spielt.

Bis zu ihrer Berufung nach Hildesheim war Reber als Akademische Rätin an der Universität Würzburg tätig. Hier leitete sie von 2012 bis 2019 ein DFG-gefördertes Netzwerk zur Multimodalität und verkörperten Interaktion. Ihre Habilitationsschrift behandelte den Wandel von Zitierweisen im britischen Unterhaus. Auch die Entstehung neuer sprachlicher Praktiken in formellen Kontexten stellte sie fest, indem sie beobachtete, dass die Sprache in diesen Umgebungen informeller wird. Während ihrer Forschungszeit hat sie unter anderem ein Forschungsprojekt zu sprachlichen Praktiken in Gerichtsanhörungen entwickelt und wird zukünftig KI-gestützte Methoden zur automatisierten Spracherkennung in ihrer Forschung einsetzen.

Faszination für den Sprachwandel

Die sprachwissenschaftliche Forschung ist ein dynamisches Feld, das sich kontinuierlich an gesellschaftliche Veränderungen anpasst. In diesem Zusammenhang zeigt der Duden in seiner 28. Auflage von 2020, die mittlerweile rund 148.000 Stichwörter umfasst, wie lebendig die deutsche Alltagssprache ist. Rund 3.000 neue Begriffe wurden aufgenommen, darunter Wörter wie „Gendersternchen“ und „Covid-19“. Diese Neuaufnahmen spiegeln nicht nur die aktuelle Sprachverwendung wider, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen, die neue Begriffe und Ausdrucksformen erfordern. Der Duden wird alle drei bis fünf Jahre überarbeitet, um den ständigen Wandel der Sprache zu dokumentieren und Empfehlungen für den geschlechterbewussten Sprachgebrauch zu geben.

Wissenschaftler wie Prof. Dr. Joana Cholin von der Universität Bielefeld untersuchen, wie sprachliche Kategorien unser Bewusstsein prägen. Gendersensible Sprache ist ein zunehmend polarisiertes Thema, das in der Gesellschaft und in der Linguistik diskutiert wird. Dabei wird der generischen Maskulinum-Methode unterstellt, dass sie Mehrdeutigkeiten schafft. Beispielsweise wurde der Satz „Alle Schweizer sind vor dem Gesetze gleich“ historisch als ungleich interpretiert. Um diese Mehrdeutigkeiten zu vermeiden, werden Formulierungen wie „Die Studierenden“ oder „Die Student*innen“ verwendet, um alle Geschlechter anzusprechen.

Forschung und gesellschaftliche Relevanz

Reber plant, ihre Kenntnisse über gendersensible Sprache in die Lehre einzubringen und wird im kommenden Sommersemester ein Seminar zur digitalen Interaktion anbieten. In diesem Seminar soll der kritische Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) und deren Anwendung im Nachweis von Sprache thematisiert werden. Diese Verknüpfung zur digitalen Linguistik ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass viele moderne Sprachmodelle, wie ChatGPT, mit Gender Bias konfrontiert sind. Die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, werden auch von anderen Wissenschaftlern an der Universität Bielefeld untersucht.

Für die Zukunft setzt sich Reber auch für interdisziplinäre Projekte im Fachbereich 3 ein, um aktuelle Sprachforschung und gesellschaftliche Belange zusammenzubringen. In der heutigen, sich schnell verändernden Welt ist es unerlässlich, die Sprache nicht nur als statisches System zu verstehen, sondern sie als lebendigen Prozess des Wandels zu betrachten, der sich durch kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse ständig neu definiert.