Flabeg Automotive Germany, ein traditioneller Automobil-Zulieferer aus Bayern, hat vor kurzem die Entscheidung getroffen, seine Produktion einzustellen. Wie Ruhr24 berichtet, wurde die Einstellung der Produktion vor allem durch einen misslungenen Test eines neuen Display-Glases bedingt, was die Investorensuche zum Scheitern brachte. Das Unternehmen, das auf eine über 140-jährige Geschichte zurückblicken kann, spezialisierte sich vornehmlich auf Spiegel und Gläser für die Automobilindustrie.

Bereits im Juli 2024 meldete Flabeg Insolvenz an, konnte jedoch den Geschäftsbetrieb zunächst stabilisieren. Die aktuelle Situation hat sich jedoch drastisch verschlechtert. Der Insolvenzverwalter Volker Böhm kündigte an, dass der Betrieb voraussichtlich im Mai 2025 vollständig eingestellt wird. Von den aktuell 180 Mitarbeitern am Standort Furth im Wald werden etwa 100 sofort entlassen, während die verbleibenden 80 bis zur endgültigen Abwicklung des Geschäfts beschäftigt bleiben.

Rechtliche Schritte und Mitarbeiterinteresse

Das Amtsgericht Regensburg hat das Insolvenzverfahren über Flabeg Automotive Germany eröffnet, wie Schultze & Braun vermeldet. In diesem Verfahren wird der Geschäftsbetrieb stabil fortgeführt, und die Kunden zeigen weiterhin Interesse an Bestellungen der Flabeg-Produkte. Voller Einsatz ist auch von den fast 190 Mitarbeitenden am Standort Furth im Wald zu beobachten, die um ihren Arbeitsplatz kämpfen.

Insolvenzverwalter Volker Böhm hat bereits Gespräche mit potenziellen Investoren aufgenommen und einen M&A-Prozess gestartet, um das Unternehmen möglicherweise wieder auf Kurs zu bringen. Nach Ende des Insolvenzgeldzeitraums sollen die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wieder direkt vom Unternehmen gezahlt werden.

Ein Teil einer größeren Krise

Die Insolvenz von Flabeg funktioniert nicht isoliert, sondern reißt einen breiteren Kontext in der Automobilzulieferbranche mit sich, der durch mehrere Insolvenzen gekennzeichnet ist. Im Jahr 2023 stieg die Gesamtzahl der Insolvenzen bei Großunternehmen, also solchen mit einem Umsatz von über 10 Millionen Euro, von 279 auf 364 Fälle, was einem Anstieg von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Fast jede sechste Insolvenz betraf Automobilzulieferer, mit einem Anstieg von 65 Prozent gegenüber 2022, so die Berichterstattung von Der Indat.

Politische Unsicherheiten, hohe Steuern, Lohnnebenkosten und die Herausforderungen der Digitalisierung haben das Vertrauen in die Zukunft stark beeinträchtigt. Diese Bedingungen haben auch zu einem prognostizierten Anstieg der Insolvenzen im Jahr 2024 um 20 bis 25 Prozent in der gesamten Branche geführt, was weitere Restrukturierungen und Personalabbau zur Folge haben wird.

Flabeg Automotive Germany ist somit nicht nur ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen viele Firmen in der Automobilzulieferbranche konfrontiert sind, sondern auch ein Teil eines besorgniserregenden Trends, der die gesamte Branche betrifft.