Die Umstellung von G8 auf G9 an Bayerns Gymnasien wird voraussichtlich zu einer weiteren Verschärfung des Lehrermangels führen. Dies berichtet der Merkur und verweist auf die Einschätzung des Bayerischen Philologenverbands. Demnach könnten im kommenden Schuljahr im Durchschnitt drei Vollzeit-Lehrkräfte pro Gymnasium fehlen. Während die Situation an Gymnasien im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen derzeit stabil ist, herrscht große Unklarheit über die Anzahl der Schüler in den fünften Klassen sowie die Lehrerzuweisungen für das nächste Schuljahr.
Besonders betroffen von der aktuellen Misere sind die Fächer Informatik und Physik, obwohl das Tölzer Gymnasium bislang eine gute personelle Ausstattung vorweist. Schulleiter Stefan Nirschl äußert Besorgnis über mögliche Einschränkungen im Mathematik- und Physikunterricht. Warum es zu einem Mangel an neuen Lehrkräften kommt, erläutert ein Bericht des BR, der höhere Abbruchquoten bei Lehramtsstudierenden sowie eine steigende Belastung durch Bürokratie und fehlende gesellschaftliche Anerkennung ins Feld führt.
Aktuelle Herausforderungen für Lehrkräfte
Die Probleme im Lehrberuf sind vielfältig. Viele Lehrkräfte arbeiten Teilzeit, um gesundheitliche Belastungen zu minimieren. Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands, beschreibt einen Anstieg der Belastungen seit der Corona-Pandemie. Dies führt dazu, dass Lehrkräfte viele Unterrichtsstunden nicht abdecken können, was im schlimmsten Fall zu einer „Vertretung ohne Lehrer“ im Stundenplan führt, wie im Relevanz Reporter berichtet wird.
Insgesamt werden für das kommende Schuljahr in Bayern 1.300 neue Gymnasiallehrer benötigt. Um die Herausforderungen im Bildungssystem zu bewältigen, sucht die Kultusministerin Anna Stolz den Dialog mit der „Schulfamilie“ und betont die Wichtigkeit, die Herausforderungen offen zu benennen. So wurden auch „Lehramtsbotschafter“ eingeführt, um gezielt für den Lehrerberuf zu werben.
Schülerzahlen und Mangel an Lehrkräften
Die Schülerzahlen in Bayern steigen im Schuljahr 2024/2025 um rund 31.000 auf etwa 1,72 Millionen, was den Druck auf die Schulen weiter erhöht, insbesondere in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Aufgrund des Lehrermangels fehlen immer häufiger Unterrichtsstunden, und Schüler werden ins Homeschooling geschickt.
Der Lehrermangel ist nicht nur ein bayerisches Problem, sondern betrifft deutschlandweit zahlreiche Schulen. Es wird berichtet, dass einige Schulen ohne Führung dastehen, da keine Direktor oder Konrektor vorhanden ist. Die Unterrichtsbelastung der Lehrkräfte hat zugenommen, und viele arbeiten über gesetzliche Vorgaben hinaus. Die Attraktivität des Lehrerberufs sinkt, während gleichzeitig der Bedarf an Lehrkräften steigt.
Um dem Lehrermangel entgegenzuwirken, wird eine Kombination aus strukturellen Reformen und Anreizen nach länderspezifischen Bedürfnissen gefordert. Dazu gehören unter anderem bessere Bezahlung, gezielte Rekrutierung von Quereinsteigern und die Schaffung von günstigeren Bedingungen für Lehrkräfte. Initiativen wie die staatliche Werbung für den Lehrerberuf sollen dazu beitragen, junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen, der in anderen Ländern wie Finnland eine wesentlich höhere gesellschaftliche Anerkennung erfährt.