In Utrecht, Niederlande, hat ein innovatives Projekt eine digitale Lösung für ein uraltes Problem gefunden. An der 400 Jahre alten Schleuse Weerdsluis wurde eine spezielle Fisch-Klingel installiert, die Fischen hilft, ungehindert in die Grachten zu schwimmen. Diese sogenannte Fisch-Türklingel ermöglicht es den Zuschauern über einen Internetstream, zu sehen, ob Fische auf der Warteliste befinden, und bei Bedarf die Schleuse zu öffnen.
Das System funktioniert ganz einfach: Eine Unterwasserkamera zeigt live, ob Fische vor der Schleuse warten. Wenn Zuschauer auf einen virtuellen Klingelknopf klicken, wird der Schleusenwärter per Screenshot und Nachricht informiert, sodass er die Schleuse öffnet. Dieses Konzept wurde von einem Ökologen entwickelt, der 2021 beobachtete, dass viele Fische vor der Schleuse verharren, während sie jährlich zum Laichen in die Grachten ziehen. Im letzten Jahr verfolgten fast drei Millionen Menschen weltweit die spannenden Fischzüge über den Stream und drückten die Klingel.
Wie die Fisch-Klingel funktioniert
Der Zeitraum, in dem die Fisch-Klingel aktiv ist, erstreckt sich von Anfang März bis Ende Mai, was mit der Fortpflanzungszeit vieler Fischarten zusammenfällt. Zu den Fischen, die beobachtet werden können, zählen Barsche, Karpfen, Hechte sowie gelegentlich Aale. Besonders in den frühen Morgenstunden und abends sind die Fische häufig sichtbar, während sie während des Tages von Greifvögeln und Kormoranen bedroht werden.
Das System hat auch den Vorteil, dass die Schleuse nur manuell geöffnet wird, wenn tatsächlich Fische vorhanden sind, und nicht für jedes einzelne Tier. Bei starkem Zuschauerinteresse von über 950 Personen wird die Klingel deaktiviert, um den Verkehr zu regeln.
Ökologischer Hintergrund und Nachhaltigkeit
Die Bedeutung solcher innovativen Ansätze zur Unterstützung der Fischpopulationen ist nicht zu unterschätzen. Ein effektives Fischereimanagement ist entscheidend, um die Bestände nachhaltig zu bewahren und Überfischung zu vermeiden. Laut dem Marine Stewardship Council (MSC) ist gutes Fischereimanagement das beste Mittel, um die bedrohten Ressource der Meere zu schützen, da mehr als ein Drittel der kommerziell genutzten Fischbestände überfischt sind.
Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Überfischung umfassen unter anderem die Festlegung von Fangquoten und saisonalen Schließungszeiten, wodurch sichergestellt wird, dass nur so viel Fisch entnommen wird, wie die Bestände verkraften können. Durch solche Maßnahmen kann die Fischereiwirtschaft nicht nur die biologischen Vielfalt erhalten, sondern auch langfristig ökonomisch erfolgreich sein.
Das Projekt in Utrecht zeigt, dass technologische Innovationen und Naturbewusstsein Hand in Hand gehen können. Es ergänzt die globalen Bemühungen um nachhaltige Fischerei und hebt die Notwendigkeit hervor, kreative Lösungen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Ökosysteme als auch der Menschen gerecht werden.
Mehr über das Fisch-Klingel-Projekt erfahren Sie in den Berichten von Süddeutscher Zeitung und Bayern 1. Zusätzliche Informationen zur Thematik des nachhaltigen Fischereimanagements sind auf der Website des Marine Stewardship Council verfügbar.