Katja Sturm-Schnabl, eine 89-jährige Zeitzeugin der nationalsozialistischen Verfolgung, wird am Montag, den 24. März, an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sprechen. Die Veranstaltung im Rahmen der Medienwerkstatt des Bachelor-Studiengangs Journalistik beginnt um 16 Uhr. Sturm-Schnabl, die als Angehörige der vom NS-Regime verfolgten slowenischen Minderheit in Zinsdorf geboren wurde, verbrachte ihre Kindheit in einem Zwangsarbeitslager in Eichstätt. Sie hatte eine bemerkenswerte Karriere als slowenische Sprachwissenschaftlerin und Literaturhistorikerin an der Universität Wien und wurde mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

Ihr Weg in das Zwangsarbeitslager begann im Alter von sechs Jahren, als sie und ihre Familie von ihrem Bauernhof in der Nähe von Klagenfurt vertrieben wurden. Diese Vertreibung führte sie zuerst nach Ebenthal, dann nach Glasow und schließlich nach Eichstätt. Katja Sturm-Schnabl erinnert sich an die schweren Bedingungen, unter denen sie und ihre Familie lebten – Hunger, Zwangsarbeit und brutale Behandlung durch die Lageraufseher prägten ihre Kindheit. Besonders traumatisch war der Tod ihrer Schwester Veronika, die nach einer Injektion des Lagerarztes starb.

Erinnerungen an die Kindheit

Sturm-Schnabl wuchs in einer slowenischen Großfamilie auf, in der neben den Eltern auch Großeltern und Tanten lebten. Es gab positive Erinnerungen an die Kindheit, wie das Spielen in der Natur und die Geburt von Tieren auf dem Bauernhof. Doch der Schrecken der nationalsozialistischen Verfolgung kam plötzlich. Soldaten in Uniform stürmten eines Tages das Haus, was zu Chaos und Panik führte. Ihre Familie musste in ein Lager umziehen, wo sie unter widrigen Umständen lebte. Der Aufenthalt im Lager war geprägt von Angst und Ungewissheit – die Zusammenführung mit ihrer mütterlichen Großmutter in einer anderen Baracke war eine der wenigen menschlichen Verbindungen während dieser dunklen Zeit.

Die Situation der Zwangsarbeiter war im Zweiten Weltkrieg katastrophal. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung feststellt, fehlten der deutschen Kriegswirtschaft Arbeitskräfte, was zur massenhaften Rekrutierung aus verschiedenen Ländern führte. Im Jahr 1944 arbeiteten bereits sechs Millionen zivile Zwangsarbeiter im Deutschen Reich, viele von ihnen litten unter den miserablen Lebensbedingungen und erlebten Diskriminierung. Katja Sturm-Schnabl und ihre Familie gehörten zu denjenigen, die von dieser Ausbeutung betroffen waren.

Veranstaltung in Eichstätt

Bei der Veranstaltung in Eichstätt wird Antonia Titze, Journalistin bei der Österreichischen Tageszeitung „Der Standard“, Katja Sturm-Schnabl interviewen. Titze hat selbst in Eichstätt Journalistik studiert und bringt somit eine persönliche Verbindung zur Hochschule mit. Ihr journalistisches Wirken umfasst Tätigkeiten für den Bayerischen Rundfunk und das ZDF, und sie wurde 2023 in das Ranking der „Besten 30 unter 30“ im Journalismus aufgenommen.

Katia Sturm-Schnabl möchte mit ihrer Erzählung über das schockierende Kapitel ihrer Kindheit aufklären und zum Nachdenken anregen. Ihr Ziel ist es, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und die menschlichen Geschichten hinter den Zahlen sichtbar zu machen. Diese Veranstaltung ist nicht nur ein Zeugenaussage, sondern auch ein Beitrag zur Gedenkkultur in der heutigen Gesellschaft.

Für weitere Informationen zu Katja Sturm-Schnabl und ihrem bewegten Leben finden Sie hier mehr Details: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Nationalfonds und Bundeszentrale für politische Bildung.