Ein Ehepaar aus Aßling, Rosa und Fredi Vogt, hat ein bewegendes Beispiel für Nächstenliebe und Engagement gegeben. Seit 1978 lebt ein verwahrlostes neunjähriges Mädchen namens Andrea in ihrer Familie. Andrea, die heute 55 Jahre alt ist, hatte zuvor in neun verschiedenen Kinderheimen gelebt, bevor sie in einem privaten Heim für geistig behinderte Kinder in Grafing untergebracht wurde. Rosa Vogt, die damals als Erzieherin arbeitete, berichtete, dass sie schockiert über Andreas Zustand war, als sie sie in ihre Obhut nahmen. Sie fand das Mädchen verwahrlost, klein für ihr Alter, mit wenigen Zähnen und gesundheitlichen Problemen. Andrea kam mit einer Plastiktüte, die dreckige Gummistiefel und einen kaputten Anorak enthielt.
Die Vogts erhielten Unterstützung von ihrem Bruder, einem Zahnarzt, und ihrem Hausarzt. Andrea litt an schweren Verlustängsten und hatte im Jahr 2022 eine ernsthafte Corona-Erkrankung, die eine invasive Beatmung erforderte. Ein besonders emotionaler Moment war der Brief ihres Enkels Vincent an das Christkind, in dem er um Andreas Leben bat. Trotz der liebevollen Pflege hatten die Vogts mit Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Behörden und behindertenfeindlichen Äußerungen zu kämpfen. Andrea erhielt einen Platz in einer Wohngruppe, musste jedoch während der Pandemie nach Hause geholt werden.
Herausforderungen für Pflegefamilien
Die Vogts mussten sich auch mit bürokratischen Hürden und finanziellen Herausforderungen auseinandersetzen, da das Pflegegeld nicht ausreichte, um Andreas Bedürfnisse zu decken. Im Jahr 2023 wurden die Vogts für ihr Engagement mit der Bezirksmedaille von Bezirkstagspräsident Josef Mederer ausgezeichnet, allerdings war Andrea nicht zu der Preisverleihung eingeladen, was sie etwas beleidigt machte. Pflegefamilien wie die von Rosa und Fredi Vogt sind häufig auf die Unterstützung des Jugendamtes angewiesen, welches Beratung und Hilfsangebote für Pflegeeltern vor und während der Pflege bereitstellt. Pflegeeltern sind in der Regel verpflichtet, einen schriftlichen Pflegevertrag mit dem Jugendamt abzuschließen und über wichtige Ereignisse im Leben des Pflegekindes, wie Erkrankungen oder Unfälle, Bericht zu erstatten, wie auf der Website des Familienportals erläutert wird.
Pflegeeltern haben Anspruch auf ein monatliches Pflegegeld, das steuerfrei ist und je nach Bundesland und Alter des Pflegekindes variiert. Darüber hinaus können sie Anträge auf Beihilfen für besondere Ereignisse stellen, wie Erstausstattungen oder Schulveranstaltungen. Auch die Krankheits- und Haftpflichtversicherung des Pflegekindes ist in der Regel über die Pflegeeltern geregelt. In Fällen von Behinderungen gibt es zudem Möglichkeiten, Eingliederungshilfen zu beantragen, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern. Dieses komplexe Gefüge verdeutlicht die Herausforderungen und die Verantwortung, die Pflegeeltern tragen, um Kindern, die in Notsituationen sind, eine bessere Zukunft zu bieten.