In Aschaffenburg ereignete sich ein tragisches Verbrechen: Ein Junge aus einer Kita-Gruppe wurde in einem brutalen Vorfall erstochen. Kinder, die den Vorfall mitansehen mussten, erleben nun eine gewaltige psychische Belastung. Der Tatort war der Park Schöntal, wo ein 28-jähriger Mann gezielt Kinder angegriffen haben soll. Neben dem zweijährigen Jungen, der ums Leben kam, verlor auch ein 41-jähriger Helfer sein Leben, während ein zweijähriges Mädchen schwer verletzt wurde. Diese schockierenden Ereignisse werfen Fragen nach der psychologischen Betreuung von betroffenen Kindern auf.
Götz-Erik Trott, ein 72-jähriger Kinderpsychiater und ehemaliger leitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Würzburg, rät in solchen Fällen zur Besonnenheit. Wie Süddeutsche berichtet, empfiehlt Trott, den betroffenen Kindern weiterhin den Zugang zu verlassenen Räumen, wie dem Park, zu ermöglichen. Dies könne helfen, ein Gefühl der Normalität zurückzugewinnen und zu verarbeiten, was geschehen ist. So wichtig diese Ratschläge auch sind, das Unglück hat bereits schmerzhafte Narben hinterlassen.
Psychische Gewalt in der Erziehung und ihre Folgen
Während solche brutalen Übergriffe keine alltäglichen Ereignisse sind, können die aus ihnen resultierenden psychischen Folgen dasselbe Ausmaß an Leid mit sich bringen, wie viele Formen von psychischer Gewalt, die oft in der Erziehung vorkommen. Dr.in Adele Lassenberger thematisiert in ihren Ausführungen zu psychischer Gewalt, dass solche Erlebnisse auch vergleichbar sind mit der emotionalen Vernachlässigung, die viele Kinder erfahren. Diese Dimension seelischer Misshandlung kann weitreichende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder haben. Die gesetzliche Verankerung einer gewaltfreien Erziehung in Österreich seit 1989 stellt einen Versuch dar, dieser Form der Gewalt entgegenzuwirken, wie gewaltinfo.at berichtet.
Studien zeigen, dass psychische Gewalt in Kindern oft in Verbindung zu positiven Bindungen steht oder aus fehlenden solchen resultiert. Fehlende Bindungsbeziehungen können, so wird festgestellt, zu einer transgenerationalen Weitergabe von Gewalt führen. In der österreichischen Gewaltstudie von 2011 berichteten 75 % der Frauen und 73 % der Männer von psychischer Gewalt in ihrer Kindheit. Die Perspektive der Täter sowie der sozialen Umstände spielt eine zentrale Rolle, um die Hintergründe von psychischer Gewalt zu verstehen.
Interventionen und Prävention
Die Prävention psychischer Gewalt ist ein vielschichtiges Thema und erfordert eine gestaltende Herangehensweise. Emotionale Vernachlässigungen und psychische Misshandlungen schädigen Kinder tief, wobei die Wirksamkeit fallspezifischer Interventionen oft als unerlässlich angesehen wird. Dies ist auch der Kern der Arbeit der regionalen Kinderschutz-Zentren, die sich mit den Folgen psychischer Gewalt befassen. In diesem Zusammenhang bezieht sich das Positionspapier dieser Zentren auf die verschiedenen Facetten psychischer Gewalt und die Notwendigkeit von Schutzfaktoren, die Kinder stark machen, wie etwa gesunde und sichere Bindungen. Ziel dieser Arbeit ist, einen Beitrag zur Entwicklung wirksamer Praktiken im Umgang mit psychischer Gewalt zu leisten, wie auf kinderschutz-zentren.org ausgeführt wird.
Diese tragischen Ereignisse in Aschaffenburg verdeutlichen, wie wichtig es ist, auch die emotionalen Wunden, die durch Gewalt entstehen, zu erkennen und ernst zu nehmen. Es ist entscheidend, präventive Maßnahmen zu ergreifen und Unterstützungsnetze für betroffene Kinder und deren Familien auszubauen.