In Krassow bei Wismar haben die Baufirmen HKF Haustechnik GmbH und Zurow Bau GmbH dichtgemacht. Mit der Schließung sind 31 Arbeitsplätze verloren gegangen, nachdem beide Unternehmen im Oktober 2024 Insolvenz angemeldet hatten. Trotz anfänglichem Optimismus seitens der Geschäftsführung und des Insolvenzverwalters bezüglich einer möglichen Sanierung und der Suche nach Investoren, haben sich diese Hoffnungen nicht erfüllt. Am 1. Januar 2025 wurde das Regulärinsolvenzverfahren eröffnet. Verhandlungen mit potenziellen Investoren führten zu keinem verbindlichen Angebot, was die prekäre Lage der Firmen weiter verschärfte, wie die Ostsee-Zeitung berichtet.

Beide Baufirmen hatten sich auf den nachträglichen Einbau von Aufzügen in Wohnhäusern spezialisiert. Eine längere Erkrankung der Geschäftsführung führte zu einem dramatischen Rückgang an Neugeschäften. Die fehlenden Aufträge wurden als Hauptursache für das gescheiterte Investorensuchen identifiziert. Obwohl Angebote für Patente für barrierefreie Aufzüge gemacht wurden, blieben die Geldgeber aus.

Allgemeine Baukrise und ihre Folgen

Die Schließungen in Krassow sind ein Spiegelbild der weitreichenden Krisensituation in der deutschen Baubranche. Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg wird eine Pleitewelle bei Immobilienunternehmen und der Verlust Tausender Jobs prognostiziert. Aktuelle Daten zeigen, dass rund 300.000 Fachkräfte im deutschen Baugewerbe fehlen. 2024 rechnet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mit dem Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen, wodurch die Herausforderungen nur noch verstärkt werden. Darüber hinaus haben 22,1 % der Unternehmen im Dezember 2023 von Auftragsstornierungen berichtet, während 56,9 % der Wohnungsbauunternehmen niedrige Auftragsbestände verzeichnen. Dies bestätigt die Berichterstattung von rbb24.

Die Ursachen für diese Krise sind vielfältig. Eine überbordende Bürokratie, lange Wartezeiten für Baugenehmigungen und hohe Zinssätze bei Krediten belasten die Branche erheblich. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt derzeit bei 4,5 % und Bauzinsen bei 3,4 %. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass viele Projekte nicht rentabel sind und die Nachfrage nach neuen Bauvorhaben sinkt.

Die Sicht der Experten

Experten warnen davor, dass die aktuelle Baukrise langfristige negative Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland haben könnte. Die Baubranche ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsmotor, sondern auch ein großer Arbeitgeber. Die Berichterstattung von Baukatastrophen hebt hervor, dass steigende Materialkosten und der Fachkräftemangel die Rentabilität vieler Projekte gefährden. Diese Situation verlangt nach einem Umdenken in der Politik, um die Bauweise und die Investitionen im Wohnungsbau durch steuerliche Anreize und vereinfachte Genehmigungsverfahren zu fördern.

Kleinere Handwerksbetriebe zeigen sich oft resilienter in dieser Krise, indem sie sich auf Sanierung und Modernisierung konzentrieren. Diese Bereiche machen zwei Drittel des Auftragsbestandes aus und verzeichnen geringere Stornierungsquoten. Dennoch bleibt der Fachkräftemangel eine große Herausforderung, da bis 2030 ein Anstieg offener Stellen um 62 % erwartet wird.

Die Situation in Krassow und die generelle Baukrise sind alarmierende Hinweise darauf, wie drängend Reformen in der Bauwirtschaft notwendig sind, um Arbeitsplätze zu sichern und die Rentabilität der Branche zu gewährleisten.