Das Forschungsprojekt „European Youth in Education and Transition to the Labour Market“ (EDU-LAB), koordiniert von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, nimmt die Bildungsbiografien junger Menschen in Europa unter die Lupe. Dabei stehen vor allem der Einfluss sozialer Herkunft und die damit verbundenen Herausforderungen beim Übergang in die Berufswelt im Fokus. Mit einer Förderung von rund 3 Millionen Euro durch die European Research Executive Agency (REA) wird das Projekt in den kommenden Jahren, bis Dezember 2027, laufend analysiert und entwickelt. Laut uni-bamberg.de besteht eine hohe Relevanz, da Bildungsungleichheiten gravierende Auswirkungen auf Beruf, Einkommen und gesellschaftliche Teilhabe haben.
Im Rahmen des Projekts sind vier Professorinnen der Bamberger Universität beteiligt: Prof. Dr. Miriam Marleen Gebauer, Prof. Dr. Silvia Annen, Prof. Dr. Rita Braches-Chyrek und Prof. Dr. Judith Volmer. Ihre Forschungsarbeit zielt darauf ab, Schulabbrüche zu verringern, berufsbezogenes Lernen zu verbessern und die Eingliederung unterrepräsentierter Gruppen, wie Frauen und Migranten, zu fördern. Diese Aspekte sind besonders wichtig, da Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt. So erreichten 2021 fast 50 Prozent der Personen aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau eine Berufsausbildung, während über 50 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien studiert haben, wie eine Analyse der bpb.de zeigt.
Der Zusammenhang zwischen Bildung und sozialer Herkunft
Die bildungspolitischen Zielsetzungen sind klar: Bildung soll soziale Ungleichheiten verringern. Dennoch besteht die Realität, dass der Bildungserfolg ohnehin stark von der sozialen Herkunft geprägt ist. Kinder aus benachteiligten Familien haben oft geringere Bildungschancen, was durch ungleiche Lernbedingungen und fehlende elterliche Unterstützung verstärkt wird. Zudem zeigen aktuelle Studien, dass Kinder aus sozial benachteiligten Bereichen häufig von Sprach- und Bildungsarmut betroffen sind, was sich negativ auf ihren schulischen Werdegang auswirkt, erläutert bpb.de.
Die Aufnahme in unterschiedliche Schulformen erfolgt frühzeitig, was bedeutet, dass Schüler ohne geeignete Unterstützung oftmals in niedrigere Bildungswege eingestuft werden. Dieses System wird häufig als „Sortiermaschine“ beschrieben. In der Sekundarstufe I zeigt sich, dass der Bildungsgang stark vom sozioökonomischen Status abhängt, und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben oft geringere Chancen auf eine gymnasiale Laufbahn.
Methoden und internationale Zusammenarbeit
Das EDU-LAB Projekt implementiert eine vergleichende Untersuchung des Bildungssystems, wobei sowohl quantitative als auch qualitative Daten erfasst werden. Zudem wird ein breites Spektrum an Stimmen junger Menschen sowie relevanten Interessenvertretern, wie Lehrkräften und politischen Entscheidungsträgern, einbezogen. Dies gewinnt an Bedeutung, da das Bildungssystem in Deutschland trotz zahlreicher Möglichkeiten zur Förderung und Nachholung von Schulabschlüssen nur bedingt dazu in der Lage ist, frühe Unterschiede zu kompensieren, wie bpb.de feststellt.
Über internationale Zusammenarbeit in neun Ländern, darunter Deutschland, Österreich, Griechenland und das Vereinigte Königreich, verfolgt das Projekt das übergeordnete Ziel, Chancengleichheit im Bildungsbereich zu fördern. Insgesamt ist EDU-LAB nicht nur eine wichtige wissenschaftliche Initiative, sondern auch ein Schritt hin zu einem gerechteren Bildungssystem in Europa.