Isabell W. trägt die Folgen sexueller Misshandlungen, die sie als Kind erlebte, bis heute mit sich. Ihre Geschichte ist eine von vielen und offenbart die dunkle Seite einer Vertrauensbeziehung zwischen Lehrer und Schüler. Der Übergriff ereignete sich, als sie erst elf Jahre alt war und regelmäßig Nachhilfe bei ihrem Lehrer hatte. Dieser war bei seinen Schülern beliebt und verfügte über ein angenehmes Auftreten, was es für Isabell schwierig machte, die immer unangemesseneren Grenzüberschreitungen zu erkennen und zu benennen.
Der schwerwiegendste Vorfall, den Isabell W. erlebte, geschah im Badezimmer, wo der Lehrer sie küsste. Nach diesem Vorfall wechselte sie die Schule und sprach zunächst nicht mit ihren Eltern darüber. Doch schließlich fand sie den Mut, ihrer Mathelehrerin von den Misshandlungen zu erzählen, was zur Folge hatte, dass das Schulamt informiert wurde. Diese Schritte führten zu einem Prozess, der über vier Jahre andauerte, in dem mehrere betroffene Mädchen aussagten. Trotz der deutlichen Belastungen bestreitet der Lehrer die Vorwürfe und versucht, die jungen Frauen als Lügnerinnen darzustellen.
Folgen der Misshandlungen
Die Auswirkungen dieser Erfahrungen sind tiefgreifend. Isabell W. berichtet, dass sie mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen, wie Herzrasen und Kopfschmerzen, zu kämpfen hat. In der Rückschau beschreibt sie den Vertrauensverlust in das System und in die Institutionen, die für ihre Sicherheit hätten sorgen müssen. In einer ähnlichen Weise erläutert Barbara Frey, eine Sozialpädagogin, die typischen Folgen sexualisierter Gewalt: Panikattacken, Angstzustände und eine tiefgreifende Verletzung des persönlichen Vertrauens.
Eine Aufarbeitung der erlebten Traumata ist ein langwieriger Prozess. Die Frauenberatungsstelle „Frauen helfen Frauen“ bietet betroffenen Frauen Unterstützung an. Im Jahr 2024 suchten über 80 Frauen aus Ulm und dem Alb-Donau-Kreis Hilfe bei dieser Beratungsstelle. Der Zugang zu solchen Angeboten ist entscheidend, denn sexualisierte Gewalt betrifft nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch deren Angehörige und das soziale Umfeld.
Hilfeangebote für Betroffene
Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch bietet Unterstützung für Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und Personen aus dem sozialen Umfeld. Initiiert von Johannes-Wilhelm Rörig in Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendministerium, ist dies das zentrale Bundesportal für Hilfsangebote. Betroffene können hier Beratungsstellen und Therapieangebote in ihrer Nähe finden und zudem Informationen über ihre Rechte im Strafverfahren erhalten. Die Hilfe umfasst auch anonyme und kostenfreie Beratung durch erfahrene Psychologen und Pädagogen.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Unterstützung ist das Hilfe-Telefon, das montags, mittwochs und freitags von 9:00 bis 14:00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15:00 bis 20:00 Uhr erreichbar ist. Betroffene können vertraulich über ihre Erfahrungen sprechen, ohne dass persönliche Daten weitergegeben werden. Für spezifische Fälle gibt es zudem eine medizinische Kinderschutzhotline, die rund um die Uhr verfügbar ist. Die Berater:innen sind darauf geschult, individuell zu helfen und einen geschützten Raum für opferzentrierte Gespräche zu bieten.
Die breite Vernetzung und die vielen Angebote zeigen, dass es für Betroffene von sexueller Gewalt vielfältige Möglichkeiten zur Unterstützung gibt. Sensibilisierung für das Thema ist jedoch nach wie vor von großer Bedeutung, da sexualisierte Gewalt so oft im Verborgenen bleibt, bis es zu einem untragbaren Konflikt kommt. Hilfen für Betroffene sind essentiell, um den Weg zu einer möglichen Heilung zu ebnen.
Für Informationen und Unterstützung können Betroffene das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch unter der Nummer 0800 22 55 530 kontaktieren. Das Angebot richtet sich an alle, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlebt haben.