Die Fasnacht im Südwesten Deutschlands steht in voller Blüte und lockt Tausende von Feiernden auf die Straßen. Die Bauernfastnacht, ein fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, wird traditionell am Wochenende nach Aschermittwoch gefeiert. In Städten wie Weil am Rhein und Sulzburg verwandelten über zehntausend Hästräger die Straßen bei sonnigem Frühlingswetter in festliche Umzüge. Diese Art der Feier gilt als das letzte Aufbäumen vor der Fastenzeit und zieht über die deutsch-schweizerische Grenze hinaus Besucher an, die sich an älteren Kalendern orientieren und somit erst nach Aschermittwoch feiern. Am Montag beginnt in Basel die traditionsreiche Basler Fasnacht, die jährlich zahlreiche Menschen anzieht und durch ihre einzigartigen Cliquen geprägt ist, die mit handbemalten Laternen und Musikinstrumenten durch die Stadt ziehen.

Inzwischen hat sich die Fasnacht im gesamten Südwesten zu einem bedeutenden kulturellen Ereignis entwickelt. Wie Süddeutsche Zeitung hervorhebt, hat die Fasnacht, auch bekannt als Fastnacht oder Fasnet, ihre Wurzeln in vorchristlichen Ritualen. Sie dient der Vertreibung von Wintergeistern und ist gleichzeitig mit christlichen Traditionen verwoben, insbesondere dem Faschingsdienstag. Die Bräuche variieren stark: Musik spielt eine zentrale Rolle, mit Blasmusik und Guggenmusik als festen Bestandteilen. Zudem sind die handgeschnitzten Masken und Kostüme, oft auch als „Häs“ bezeichnet, von hoher Symbolik und Bedeutung.

Fasnetshöhepunkte in Baden-Württemberg

In verschiedenen Städten der Region fanden zudem zahlreiche Feiern statt, wie SWR berichtet. In Riedlingen beispielsweise genoß Ministerpräsident Winfried Kretschmann die traditionellen Froschkutteln, während in Hirrlingen und Offenburg besonders die Brauchpflege im Vordergrund steht. In Hirrlingen wurden traditionell Eier gesammelt, die später als Rührei serviert wurden, und in Offenburg fand die spektakuläre Verbrennung einer großen Strohhexe statt, die von einem eindrucksvollen Feuertanz begleitet wurde.

In Villingen zogen über 8.000 Hästräger durch die Stadt, während in Schramberg die da-Bach-na-Fahrt mit etwa 30.000 Zuschauern gefeiert wurde. Auch in Ravensburg erlebten die Menschen ein beeindruckendes Spektakel: Der große Umzug begann mit einem Kanonenschlag und wurde von insgesamt 63 Narren- und Musikgruppen begleitet. Besondere Beachtung fand zudem der Narrensprung in Rottweil, der von vier Reitern eröffnet wurde, sowie die Feierlichkeiten in Gammertingen, wo die bekannte Katzenmusik mit rund hundert Narren am Rosenmontag aktiviert wurde.

Fasnachtskultur im Wandel

Die Fasnacht hat sich nicht nur in ihren Bräuchen, sondern auch in ihren gesellschaftlichen Relevanz weiterentwickelt. Immer mehr Städte integrieren nachhaltige Elemente in ihre Feierlichkeiten, um den modernen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Polizei zieht weitgehend positive Bilanz: In den meisten Städten gab es wenige Vorfälle, abgesehen von einigen Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Dennoch sind einige Situationen beunruhigend, da sechs sexuelle Übergriffe gemeldet wurden.

Die Faszination der Fasnacht bleibt ungebrochen. Die Menschen kleiden sich in traditionelle „Häs“ und nehmen respektvoll an den vielseitigen Veranstaltungen teil, während sie die zum Teil strengen „No-Gos“ beachten, wie den Verzicht auf den Begriff „Kostüm“ und die angemessene Verwendung regionaler Narrenrufe. Ein respektvoller Umgang mit der Tradition ist unerlässlich, um die einzigartige Atmosphäre der Fasnacht zu würdigen und zu bewahren.