Im Wollmatinger Ried, einem der wichtigsten Naturschutzgebiete Europas, besteht aktuell Gefahr für die dortige Artenvielfalt. Eberhard Klein, Leiter des Bodenseezentrums des Naturschutzbundes (NABU) auf Reichenauer Festland, weist auf die Problematik hin, dass viele Menschen die geschützten Wiesen durchqueren, insbesondere seitdem diese gemäht sind. Diese Unachtsamkeit gefährdet seltene Pflanzenarten wie die sibirische Schwertlilie, Mehlprimel und Sumpf-Siegwurz. Besonders alarmierend ist die Situation des Wanzen-Knabenkrauts, dessen Vorkommen auf nur noch fünf blühende Exemplare in Baden-Württemberg geschrumpft ist.
Das Wollmatinger Ried, das fast zur Gänze auf Reichenauer Gemarkung liegt und mit 767 Hektar das größte Naturschutzgebiet am deutschen Bodenseeufer darstellt, ist von unschätzbarem Wert für zahlreiche Flora und Fauna. Rund 600 Pflanzenarten und 290 Vogelarten finden hier einen Lebensraum, darunter auch gefährdete Arten wie die Flussseeschwalbe, die auf offene Flächen zum Brüten angewiesen ist. Störungen in der Brutzeit könnten dazu führen, dass Vögel im Folgejahr nicht zurückkehren.
Wichtige Maßnahmen für den Naturschutz
Eberhard Klein und sein Team setzen sich unermüdlich für den Erhalt der Artenvielfalt im Ried ein. Die kulturlandschaftlich geprägten Streuwiesen, die früher durch die Landwirtschaft gefördert wurden, erfuhren in den letzten Jahrzehnten einen Rückgang. Der NABU übernimmt nun die Pflege dieser Flächen, um die Entwicklung von Pflanzen und Tieren zu fördern. Dabei wird das Mähgut, das von Landwirten und Pilzzüchtern geschätzt wird, genutzt. Tägliche Aktivitäten tragen dazu bei, den Lebensraum zu erhalten und die große Artenvielfalt zu sichern.
Die verschiedenen Lebensräume im Ried bieten ideale Bedingungen für zahlreiche Vogelarten. Zu den gefiederten Bewohnern zählen unter anderem Schnatterente, Reiherente und Bartmeise, die sich besonders im Schilfröhricht wohlfühlen. Zudem zählen etwa 22 Orchideenarten zu den botanischen Kostbarkeiten des Gebiets. Im Herbst sind vor allem die blühenden Orchideen und Enziane zu betrachten, während die Sibirische Schwertlilie im Mai ihren Anblick bietet.
Besucherzulassung und -aufklärung
Der NABU organisiert jährlich bis zu 2000 Führungen durch das Wollmatinger Ried, wobei die Teilnehmer dringend aufgefordert werden, die vorgeschriebenen Wege nicht zu verlassen. Blickdichte Schutzzäune schützen zudem die Brutgebiete und sollen die Vögel vor Störungen bewahren. Zusätzlich gibt es strikte Regeln für Solarbootfahrten im Naturschutzgebiet, um die empfindlichen Ökosysteme nicht zu beeinträchtigen.
Das Ried ist nicht nur Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen, sondern auch ein wichtiger Rast- und Überwinterungsplatz für bis zu 50.000 Vögel. Diese sind ein bedeutender Bestandteil des Naturschutzgebiets, welches internationale Anerkennung genießt. Der NABU setzt sich bereits seit 1979 für den Schutz und Erhalt des Wollmatinger Rieds ein, begleitet von zahlreichen internationalen Auszeichnungen.
Für Naturliebhaber und Vogelbeobachter bleibt das Wollmatinger Ried eine der lohnenswertesten Adressen am Bodensee. Die behutsame Kommunikation über Naturschutz und die aktive Förderung des Wissens über die heimische Flora und Fauna sind entscheidend, um auch zukünftigen Generationen ein Stück dieser wertvollen Natur zu bewahren. Es gilt, die Schönheit des Rieds zu genießen, während gleichzeitig der Erhalt seiner außergewöhnlichen biologischen Vielfalt im Mittelpunkt steht.
Für weitere Informationen über das Naturschutzgebiet und dessen Flora und Fauna, besuchen Sie die Seiten des NABU sowie Bodensee.de.