Janine Wollny, eine 59-jährige Polizeibeamtin, hat einen beschwerlichen Weg in der von Männern dominierten Welt der Polizei hinter sich. Inspiriert durch ihren Vater, trat sie 1987 ihre Ausbildung in Brühl an, als eine von lediglich sieben Frauen unter rund 80 männlichen Kollegen. Trotz der Ablehnung, die sie 1991 von männlichen Kollegen erfuhr, blieb Wollny standhaft und durchlief verschiedene Dienststationen, darunter die Hundertschaft und den Wach- und Wechseldienst, bevor sie 1998 zur Kriminalpolizei wechselte. Es war eine Zeit, in der Flirtversuche und das Testen von Grenzen durch männliche Kollegen alltäglich waren.

„Manche Kollegen wollten mir nicht mal die Hand geben“, berichtet Wollny und schildert die Herausforderungen, die sie als Frau im Polizeidienst erlebt hat. Dennoch behielt sie stets ihre Fassung, auch wenn es schwierig wurde. Jahre später erhielt sie eine Entschuldigung von einem Kollegen, der ihr anfangs Schwierigkeiten bereitet hatte.

Frauen im Polizeidienst

Martina Menn, 55 Jahre alt, erlebt ähnliche Diskriminierungen. Nach ihrer Karriere in „klassischen Frauenberufen“ entschied sie sich ebenfalls für den Polizeidienst. Sie betont, dass weibliche Polizeibeamte nicht nur im Bereich der Einsätze wegen häuslicher Gewalt von Vorteil seien, sondern auch an der Front für ein respektvolles Miteinander kämpfen müssen.

Der Frauenanteil bei der Polizei hat in den letzten Jahren zugenommen. Aktuell liegt der Anteil der Frauen beim Polizeipräsidium Wuppertal bei über 37%, während sie bei der Kriminalpolizei sogar knapp 53% ausmachen. Dennoch sind Frauen bei der Bereitschaftspolizei im Bergischen mit etwa 14% unterrepräsentiert.

Sexismus und Unterstützung für Polizistinnen

Diese Entwicklungen bieten einen Einblick in die Schattenseiten des Polizeidienstes. Viele Frauen, wie Jenine Wollny und Martina Menn, berichten von Sexismus und sexistischen Übergriffen im Berufsalltag. Nachdem mehr Frauen in die Polizei eintreten, werden diese Probleme zunehmend sichtbarer. Laut der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich dem Schutz weiblicher Polizeibeamter widmet. Sibylle Krause, Sprecherin der AG, bezeichnet Sexismus als ernsthaftes Problem.

Die GdP hat klare Ziele formuliert: Schutz für betroffene Polizistinnen und harte Sanktionen gegen Täter sowie die meist schweigenden Vorgesetzten. Leider ist die Dunkelziffer an sexuellen Übergriffen sehr hoch, was zu einer toxischen Arbeitsumgebung beiträgt. Die Erfahrungen der Polizistinnen sind häufig geprägt von erniedrigender Sprache und respektlosem Verhalten.

Aufruf zur Veränderung

Amnesty International fordert in diesem Kontext die Einrichtung unabhängiger Ermittlungseinrichtungen, um Polizeibeamten die Möglichkeit zu geben, Fehlverhalten anonym zu melden, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Zudem wird eine wissenschaftliche Forschung angeregt, um das Ausmaß und die Gründe für die Unterdrückung und Diskriminierung innerhalb der Polizei besser zu verstehen.

Aktuelle Ereignisse, wie ein laufender Prozess gegen den höchsten Polizisten von Baden-Württemberg wegen sexueller Belästigung, zeigen, dass Reformen dringend notwendig sind. Auch junge Polizistinnen, wie die 22-jährige Kim D., die bereits einen Einsatz bei einem versuchten Raubüberfall meistern konnte, setzen auf ein respektvolles und kollegiales Miteinander im Polizeidienst. Sie sieht die Herausforderungen, die ihr Beruf mit sich bringt, als Teil ihrer Leidenschaft, für die Sicherheit in der Gesellschaft zu sorgen.

Die Stimmen der Polizistinnen werden immer lauter, und es scheint, als ob der nötige Wandel in der Polizeiarbeit langsam, aber sicher eingeleitet werden könnte. Die Gesellschaft ist aufgerufen, diesen Prozess zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass Respekt und Gleichstellung in allen Bereichen, einschließlich der Polizei, zur Norm werden.