Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr fast 197 Millionen Euro an Entschädigungen an Reisende gezahlt. Dies ist das Resultat von rund 6,9 Millionen eingereichten Entschädigungsanträgen, von denen 5,6 Millionen bearbeitet wurden. Trotz dieser hohen Summe blieb die Pünktlichkeit der Fernzüge ein großes Problem. Mehr als ein Drittel der Fernzüge war 2023 unpünktlich, und dies stellt die höchste Unpünktlichkeit seit mindestens 21 Jahren dar. Angesichts dieser Situation plant die Deutsche Bahn, die Pünktlichkeit bis Ende 2027 signifikant zu verbessern. Ziel ist es, die Pünktlichkeit der ICE- und IC-Züge auf 75 bis 80 Prozent zu steigern.

Die Gründe für die Unpünktlichkeit sind vielfältig. Einer der Hauptfaktoren ist die marode und überlastete Infrastruktur, die zu 80 Prozent der Verspätungen im Jahr 2024 beiträgt. Der Sanierungsbedarf ist immens: Die Bahn hat ein umfassendes Sanierungsprogramm bis 2030 für 41 vielbefahrene Korridore aufgenommen, beginnend mit der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim im Jahr 2024.

Herausforderungen der Schieneninfrastruktur

Die deutsche Schieneninfrastruktur befindet sich in einem kritischen Zustand. In den letzten 30 Jahren hat die Verkehrsleistung stark zugenommen, während das Schienennetz um 12 Prozent geschrumpft ist. Die Zahl der Passagierfahrten ist um 47 Prozent gestiegen, während der Güterverkehr sogar um 80 Prozent zulegte. Diese Hochbelastung führt oft zu Störungen und Baustellen, die die Pünktlichkeit der Züge weiter einschränken.

Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, setzt die Deutsche Bahn auf ein neues Instandhaltungskonzept. Dieses sieht Digitalisierung und Automatisierung der Schieneninfrastruktur vor, um die Verfügbarkeit und den Zustand der Anlagen zu optimieren. Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das Bundesministerium für Digitales und Verkehr verschiedene Projekte zur vorausschauenden Wartung von Schienenfahrzeugen und -infrastruktur.

Zukunftsperspektiven der Wartung

Eine der innovativen Ansätze ist die sogenannte zustandsbasierte Instandhaltung, die auf der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Diese Methode ermöglicht eine automatische Zustandserfassung der Schieneninfrastruktur, wodurch potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden können. Ein Beispiel für ein solches Projekt ist AIFRI, das den Einsatz von KI zur Wartung untersucht.

Aktuell werden Schienenzustände zwar durch regelmäßige Inspektionsfahrten erfasst, aber die automatisierte Auswertung dieser Daten ist rar. Ein weiteres Projekt, ESPEK, untersucht, ob KI zur automatisierten Schadstellenuntersuchung an Personenverkehrszügen eingesetzt werden kann. Kameras an Werkshalleneinfahrten könnten dabei helfen, Schäden automatisch zu erkennen, was die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge erhöhen würde.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Deutsche Bahn vor erheblichen Herausforderungen steht, während sie gleichzeitig an Lösungen arbeitet, um die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ihres Angebots zu verbessern. Die Investitionen in Infrastruktur und moderne Wartungsstrategien sind entscheidend, um die Zufriedenheit der Fahrgäste langfristig zu steigern.

Für weitere Informationen über die Entschädigungen und die Pünktlichkeit der Bahn, lesen Sie mehr in einem Bericht von ZVW. Details über die Situation der Schieneninfrastruktur finden Sie im Spiegel und dem BMDV.