In Schorndorf ist die Zahl der Leerstände in der Innenstadt besorgniserregend gestiegen. Besonders betroffen sind zentrale Standorte wie das frühere Kinderkleidergeschäft „Liebevoll“, Räume neben Schuh Moser, die Herrenboutique Cosmo sowie die Banken Commerzbank und Südwestbank. Lars Scheel, der zusammen mit Julia Geiger den Eigenbetrieb Tourismus und Stadtmarketing (TUC) leitet, schildert die Herausforderungen, neue Nutzer für diese Leerstände zu finden. Dies führt nicht nur zu einem optischen Verfall, sondern auch zu neuen Lücken in den Straßen der historischen Altstadt, wie zvw.de berichtet.
Die steigenden Leerstände in Schorndorf sind Teil eines größeren Trends, der in vielen Innenstädten zu beobachten ist. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklung können nicht ignoriert werden. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass in österreichischen Städten die Leerstandsquote bei 4,9% liegt, was einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. In A-Lagen beträgt diese Quote 4,2%. Städte wie Steyr und Wiener Neustadt verzeichnen jedoch alarmierend hohe Leerstandsquoten von 11,6% beziehungsweise 10,1%. Dieser Prozess wird durch den Strukturwandel im Einzelhandel, den Boom des E-Commerce und die demografischen Veränderungen weiter verstärkt, wie stadtmarketing.eu verdeutlicht.
Herausforderungen der Innenstadtentwicklung
Die Herausforderungen in der Innenstadtentwicklung sind gravierend. Experten wie Roland Gnaiger, emeritierter Universitätsprofessor und Architekt, betonen, dass Innenstädte historisch das Herzstück des Lebens ausmachten, jedoch zunehmend an Attraktivität verlieren. Die Abwanderung von Handel und Bevölkerung in die Peripherie, bedingt durch Motorisierung und den Verlust der Lebensqualität, hat zur Entvölkerung vieler Stadtzentren beigetragen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, schlägt Gnaiger eine Verdichtung vor, um den Raum effizienter zu nutzen und die Attraktivität der Innenstädte zu steigern. Alte Gebäude könnten durch flexible Grundrisse umgenutzt werden, was wiederum die Lebensqualität vor Ort erhöhen könnte, wie im Interview mit stadtmarketing.eu diskutiert wird.
Ebenfalls betont Gnaiger die Wichtigkeit von Freiräumen in Innenstädten, die für eine hohe Lebensqualität unerlässlich sind, insbesondere für Kinder und ältere Menschen. Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit deutlich, Leerstände in „Sockelzonen“ zu aktivieren und den Handel zurück in die Innenstadt zu bringen. Diese Tatsache zeigt, dass die Revitalisierung der Innenstädte nicht nur eine Funktion des Handels ist, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt.
Strategien zur Belebung
Um Leerständen in Schorndorf und anderen Städten entgegenzuwirken, sind innovative Lösungsansätze gefragt. Der Einsatz von Pop-up-Stores und Co-Working-Spaces gewinnt an Bedeutung, um die Attraktivität der Innenstadt temporär zu erhöhen. Zudem könnten öffentlich-private Partnerschaften und die Beantragung von EU-Fördermitteln dazu beitragen, diese Leerstände sinnvoll zu nutzen und die wirtschaftliche Grundlage der Innenstädte zu stärken. Die Prognosen deuten darauf hin, dass im Jahr 2025 eine Schrumpfung der Shopflächen in urbanen Räumen zu erwarten ist, was die Dringlichkeit von Maßnahmen zur Bekämpfung des Leerstands noch einmal unterstreicht, gemäß den Analysen von stadtmarketing.eu.
Die Schaffung von Synergien zwischen Stadtverwaltung, Immobilienbesitzern und Stadtmarketingorganisationen könnte entscheidend sein, um den Herausforderungen des Leerstands proaktiv zu begegnen. Eine koordinierte Zusammenarbeit zur Entwicklung von Strategien könnte helfen, sowohl die Attraktivität der Innenstadt wiederherzustellen als auch neue Nutzungsmöglichkeiten für leerstehende Flächen zu identifizieren.