Eine aktuelle Studie aus Baden-Württemberg zeigt alarmierende Langzeitfolgen von COVID-19. Laut SWR leiden rund zwei Drittel der Long-Covid-Betroffenen zwei Jahre nach einer Infektion noch an erheblichen Symptomen. Diese Studie, durchgeführt von Wissenschaftlern der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm, analysierte über 1.500 ehemals Infizierte im Alter von 18 bis 65 Jahren.

Zu den häufigsten Langzeitfolgen gehört chronische Müdigkeit (Fatigue), rasche Erschöpfung, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsstörungen, Atemnot, Brustschmerzen, innere Unruhe, Depressionen und Schlafstörungen. Interessanterweise zeigten Laboruntersuchungen nahezu aller Teilnehmenden keine krankhaften Befunde, obwohl objektive Anzeichen für verminderte körperliche Leistungsfähigkeit und kognitive Defizite vorlagen.

Langzeitergebnisse und Risikofaktoren

Die Ergebnisse der PLOS Medicine veröffentlichten Studie belegen, dass 67,6% der Patienten mit Post-COVID-19-Syndrom (PCS) nach 8,5 Monaten weiterhin an Symptomen litten, während 78,5% der Genesenen symptomfrei waren. Besonders betroffen sind in diesem Kontext auch die neurokognitiven Fähigkeiten der Patienten, die signifikante Unterschiede zu gesunden Kontrollen aufweisen.

Zu den identifizierten Risikofaktoren für das Bestehen von PCS zählen eine mildere akute Infektion, der vorherige Beschäftigungsstatus, Bildungsgrad und der Zugang zu Facharztkonsultationen sowie Rehabilitation. Trotz umfassender Abklärung fehlten in den Laboruntersuchungen signifikante Unterschiede in der Herzfunktion und anderen relevanten Gesundheitsparametern.

Ein interdisziplinärer Ansatz ist notwendig

Klinischen Beobachtungen und den Erkenntnissen aus der Literatur zufolge ist das Post-COVID-Syndrom eine interdisziplinäre Herausforderung, die über Ursachen und Auswirkungen diskutiert werden muss. PMC betont, dass etwa 10-15% der COVID-19-Patienten schwerwiegende Langzeitkomplikationen entwickeln. Interdisziplinäre Begutachtungen sind daher notwendig, um die Authentizität der Beschwerden zu validieren und die Gesamt-Minderung der Erwerbsfähigkeit zu bewerten.

Ein bedeutendes Merkmal von PCS ist die Vielzahl an Symptomen, die neben Müdigkeit und Atembeschwerden auch neurokognitive Beeinträchtigungen und psychische Probleme umfassen. Hierbei sind auch ambulante Beurteilungen und die Prüfung auf psychosoziale Belastungen entscheidend, um adäquate Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der wachsende Körper an empirischen Beweisen auf Langzeitfolgen von COVID-19 sowie die Notwendigkeit eines konsequenten interdisziplinären Ansatzes nicht vernachlässigt werden darf. Es ist von zentraler Bedeutung, dass sowohl die medizinische Forschung als auch die klinische Praxis auf diese Herausforderungen reagieren.