Die Aufführungen des Magnet Theatre aus Kapstadt stehen vor der Tür: Am 7. und 8. März 2025, jeweils um 19.00 Uhr, wird in der Spiegelhalle des Theater Konstanz die Neuinterpretation von Sophokles‘ Werk „Oedipus at Colonus: #aftersophocles“ präsentiert. Dieses Projekt wird unter der Regie von Mark Fleishman realisiert, der auch Professor am Zentrum für Theaterwissenschaften der Universität Kapstadt ist. Die Inszenierung, die Teil des Forschungsprojekts „Reimagining Tragedy from Africa and the Global South (RETAGS)“ ist, fokussiert die Nachwirkungen des Tragödiengenres und deren Relevanz in der heutigen Zeit.
Ein Nachgespräch am 7. März bietet die Möglichkeit zur Diskussion über die innovative Umsetzung des Theaterstücks. Beteiligt sind südafrikanische Theaterschaffende sowie Kollegen aus Konstanz, insbesondere Mitglieder des Graduiertenkollegs „Europa nach dem Eurozentrismus“, das seit Herbst 2024 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.
Inhaltliche Schwerpunkte der Inszenierung
Die Themen der Inszenierung sind zentral für die heutige Generation in Südafrika. Sie reflektiert gesellschaftliche Herausforderungen wie Kolonialismus und Apartheid sowie deren anhaltende Auswirkungen. Dabei werden zentrale Fragen zu Recht auf Land, Vertreibung und Enteignungen behandelt. Der Chor in dieser Neuinszenierung erzählt persönliche Schicksale, die durch Armut, Klimawandel, Gewalt und soziale Ungerechtigkeit geprägt sind. Diese Perspektiven sind besonders relevant für die postkolonialen und post-apartheid Kontexte des Landes.
Die Premiere von „Oedipus at Colonus: #aftersophocles“ fand bereits vom 3. bis 18. Februar 2023 im Baxter Flipside in Kapstadt statt und war ein großer Erfolg. Die Inszenierung folgte auf „Antigone (not quite/quiet)“ aus dem Jahr 2019 und wurde in Zusammenarbeit mit Magnet Theatre produziert. Andrew Buckland spielt die Rolle des Oedipus, während Jennie Reznek als Creon und Faniswa Yisa als Theseus zu sehen sind. Die Darbietungen werden in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung erfolgen. Zudem werden poetische Texte in Englisch und isiXhosa von Qondiswa James verfasst.
Theatrale Relevanz und Auszeichnungen
Die Inszenierung hat nicht nur ästhetischen Anspruch, sondern befasst sich auch mit grundlegenden Fragen zu Erlösung und Vergebung. Sie wurde von der Andrew W. Mellon Foundation sowie der Universität Kapstadt unterstützt und zieht zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen nach sich. Im Jahr 2024 erhielt sie vier Nominierungen bei den KKNK und acht Nominierungen bei den Fleur du Cap Awards, wobei sie für das Beste Ensemble ausgezeichnet wurde.
Das kreative Team hinter der Produktion umfasst talentierte Fachleute wie Craig Leo (Design), Neo Muyanga (musikalische Leitung), Ina Wichterich (Choreografie) und viele weitere. Diese facettenreiche Zusammenarbeit verdeutlicht die Vielschichtigkeit der Inszenierung und deren kulturelle Relevanz.
Im Kontext des Theaters ist es wichtig, neue Perspektiven zu erkunden. Die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Europas und der globalen Gegenwart wird auch in der Publikation „Theaterwissenschaft postkolonial, intermedial, neoinstitutionell: Christopher Balme in der Re-Lektüre“ beleuchtet, herausgegeben von Ulf Otto, David Roesner und Berenika Szymanski-Düll, die 2023 erschien und verschiedene Facetten der Theaterwissenschaft behandelt.
Für weitere Informationen über die Aufführung und die Diskussion erweitern Sie den Kontext mit den Links zu den Veranstaltungen: Universität Konstanz berichtet, Magnet Theatre informiert und De Gruyter Verlag.