Die geplanten Ausbauarbeiten der SBB sorgen in der Gemeinde Lottstetten für gemischte Reaktionen. Bis 2030 soll der doppelspurige Ausbau der Bahnlinie auf Lottstetter Gemarkung realisiert werden, was schätzungsweise 120 Millionen Franken kosten wird. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger hatten die Gelegenheit, sich bei einer Informationsveranstaltung in der Gemeindehalle über das Projekt zu informieren. Bürgermeister Andreas Morasch und Experten von der Planungsfirma Rapp sowie ein Anwalt für Verwaltungsrecht standen den Anwesenden Rede und Antwort.

Ein zentrales Ziel des Ausbaus ist die Erhöhung der Kapazität und die Einführung eines Halbstundentakts, was auch die Anzahl der Güterzüge erhöhen soll. Um den Lärm zu minimieren, ist die Errichtung einer fünf Meter hohen Lärmschutzwand vorgesehen. Dennoch gibt es Bedenken der Anwohner, da diese Mauern möglicherweise das Ortsbild beeinträchtigen könnten. Geplant sind transparente Oberteile an der Wand, um den visuellen Effekt zu dämpfen. Darüber hinaus wird eine Möglichkeit zur Dämmung von betroffenen Hausfassaden und Fenstern in Aussicht gestellt.

Belastungen und Verunsicherungen während der Bauzeit

Die Bauarbeiten könnten hohe Belastungen mit sich bringen, weshalb Bürgermeister Morasch eine Vollsperrung der Bahnlinie fordert, um die Arbeiten schneller durchführen zu können. Die Diskussionen unter den Bürgern zeigen, dass es Bedenken bezüglich des nächtlichen Güterverkehrs gibt sowie der Einschränkungen während der Bauzeit. Viele Anwohner ziehen in Betracht, den aktuellen Status quo des Zugverkehrs beizubehalten, was die Debatte weiter anheizt.

In einem weiteren Kontext bereitet sich die SBB auf eine Totalsperrung der Strecke zwischen Laufen und Aesch vor, die vom 28. April bis zum 28. September 2025 geplant ist. Diese Sperrung ist Teil des Doppelspurausbaus über rund vier Kilometer zwischen Grellingen und Duggingen, mit geschätzten Kosten von ca. 133 Millionen Franken, wie die bzbasel berichtet. Die SBB plant auch dafür eine Informationsveranstaltung am 26. März.

Zusätzlich wird es Maßnahmen zur Verkehrslenkung während der Totalsperrung geben, darunter Rotlichtanlagen an neuralgischen Stellen und eine temporäre Lichtsignalanlage unterhalb des Schlosses Angenstein. Die Reisezeiten zwischen dem Laufental und Basel werden sich aufgrund des Bahnersatzverkehrs um 15 bis 30 Minuten verlängern, was für die Reisenden bedeutende Einschränkungen mit sich bringt.

Nachhaltigkeitsaspekte im Bahnbereich

Um den Schienenverkehrslärm zu minimieren und die Nachhaltigkeit zu fördern, hat die DB Cargo in Kooperation mit der VTG AG einen innovativen Güterwagen entwickelt. Dieses Projekt wurde mit rund 18 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium unterstützt. Die neuen energieeffizienten und lärmmarmen Wagen sollen dazu beitragen, den Schienenverkehrslärm bis 2030 weiter zu reduzieren. Laut Deutsche Bahn konnten bereits durch die vollständige Umrüstung aller Güterwagen die Lärmemissionen im Vergleich zum Jahr 2000 halbiert werden.

Die Entwicklungen im Bahnbereich und die anstehenden Änderungen in der Region zeigen, wie wichtig es ist, die Balance zwischen notwendiger Infrastruktur und den Bedürfnissen der Anwohner zu finden. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation weiterentwickelt und welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.