In Deutschland ist die Zahl der Apotheken auf den niedrigsten Stand seit 1978 gesunken. Zum Jahresende 2024 zählte das Land noch 17.041 Apotheken, was einen Rückgang von 530 Apotheken im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dies entspricht einem Rückgang von 3 Prozent. Der Trend setzt sich fort, nachdem im Jahr 2022 bereits 393 Apotheken und 2023 weitere 497 geschlossen wurden. Im Jahr 2024 gab es bisher lediglich 48 Neueröffnungen. Der Rückgang ist nicht nur eine Zahl, sondern zeigt die stetigen Herausforderungen, denen Apotheker gegenüberstehen.
Faktoren wie steigende Personal- und Sachkosten, Lieferengpässe sowie ein akuter Fachkräftemangel drängen viele Pharmazeuten dazu, alternative Karrierewege einzuschlagen. Viele entscheiden sich für Positionen in der Industrie oder in Krankenhausapotheken anstelle der Leitung einer eigenen Apotheke. Ähnlich beschreibt auch die Tagesschau die aktuelle Lage: Seit Jahresbeginn 2024 haben bereits 384 Apotheken geschlossen und weniger als 17.200 sind zum Ende September noch aktiv. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Neueröffnungen, die während der ersten drei Quartale 2024 auf lediglich 36 fielen, nach 48 im Vorjahr.
Ursachen für das Apothekensterben
Die Ursachen für dieses Apothekensterben sind vielfältig. Ein zentraler Punkt ist der Kostendruck, gekoppelt mit unzureichenden Verdienstmöglichkeiten für Apotheker. Die deutsche Apothekendichte liegt derzeit bei 20 Apotheken je 100.000 Einwohner und liegt damit unter dem EU-Durchschnitt von 32, was die Situation zusätzlich verschärft. Auch die Kritik an der chronischen Unterfinanzierung der Apotheken wird laut geäußert, und es gibt Warnungen vor einer möglichen Gefährdung der Arzneimittelversorgung in Deutschland.
Die ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) fordert dringend politische Maßnahmen zur Bekämpfung des Rückgangs. Präsidentin Gabriele Regina Overwiening äußert Bedenken gegenüber den Plänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, die Neugründung von Apotheken zu vereinfachen. Momentan dürfen sich nur approbierte Apotheker niederlassen, während Lauterbach plant, pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) deutlich mehr Verantwortung zu übertragen.
Fachkräftemangel im Gesundheitswesen
Ein weiterer Aspekt ist der Fachkräftemangel im gesamten Gesundheitswesen, der sich bereits seit mehreren Jahren bemerkbar macht. Laut einer Studie von PwC wird ein angemessenes Gehalt als der wichtigste Anreiz für zukünftige Arbeitnehmer in der Pflege angesehen. Dies gilt auch für Apotheken, wo die Gehaltsfrage eines der Hauptprobleme darstellt. Der Druck, wettbewerbsfähige Gehälter zu bieten, wächst, da 68 Prozent der Wechselwilligen und Arbeitslosen in der Branche bessere Bezahlung als Bedingung anführen, um bis zur Rente im Beruf zu bleiben.
Die Probleme, mit denen das Apothekenwesen konfrontiert ist, sind somit nicht nur eine Frage der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch ein bedeutendes gesellschaftliches Thema, das direkte Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung in Deutschland hat. Beobachter zeigen sich besorgt über die abnehmende Anzahl an Apotheken und deren Bedeutung für die flächendeckende Arzneimittelversorgung.
Die alarmierenden Rückgänge und die Forderung nach politischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Branche sind Grund genug für eine intensive Diskussion über die Zukunft der Apotheken in Deutschland. Ein Umdenken ist erforderlich, um nicht nur das Überleben der Apotheken, sondern auch die Qualität der Gesundheitsversorgung dauerhaft zu sichern.