Das Landesgesundheitsamt hat im Jahr 2023 einen alarmierenden Anstieg von Keuchhustenfällen festgestellt: Insgesamt wurden 4.450 Infektionen registriert, im Vergleich zu nur 298 im Jahr 2022. Besondere Besorgnis erregt die Situation in Baden-Württemberg, wo bereits früh im Jahr 2024 erste Fälle gemeldet wurden. Diese Entwicklung spiegelt einen bundesweiten Trend wider, der auch bei Kinderärzten und in Kinderkliniken für große Belastungen sorgt, so Leif Erik Sander, Direktor der Infektiologie der Berliner Charité. Allerdings betonen das Robert Koch-Institut (RKI) und das Gesundheitsministerium, dass es keine Hinweise auf besonders schwere Erkrankungen oder einen virulenten Erreger im aktuellen Jahr gibt.

Keuchhusten, auch als Pertussis bekannt, ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht wird. Übertragen wird sie durch Tröpfcheninfektion, was bedeutet, dass der Erreger beim Husten, Niesen oder Sprechen auf andere Menschen übertragen wird. Besonders gefährdet sind Säuglinge unter sechs Monaten, die oft nicht in der Lage sind, den Schleim abzuatmen. Bei ihnen können schwere Komplikationen wie Lungenentzündung oder Krampfanfälle auftreten. Dennoch bleibt Keuchhusten in der Mehrzahl der Fälle bei Jugendlichen und Erwachsenen ein lang anhaltender Husten, was die Krankheit weniger aufmerksamkeitsstark erscheinen lässt.

Impfempfehlungen und Prävention

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für Säuglinge eine dreiteilige Grundimmunisierung und Auffrischungen im Alter von 5 bis 6 und 9 bis 17 Jahren. Erwachsene hingegen sollten im Rahmen ihrer nächsten Tetanus- und Diphtherie-Impfung auch gegen Keuchhusten geimpft werden. Eine spezielle Empfehlung gibt es ebenfalls für Schwangere, die sich im dritten Schwangerschaftsdrittel impfen lassen sollten, um ihr ungeborenes Kind zu schützen. Eine Impfung kann das Risiko einer Erkrankung signifikant reduzieren: Nach der ersten Impfung sinkt das Risiko für Säuglinge um etwa 40%, nach der zweiten auf über 80%, und nach der dritten auf über 90%, wie auf der Webseite der Apotheken Umschau hervorgehoben wird.

Die Impfquoten waren vor der Pandemie relativ hoch, mit rund 80% der Kinder und 50% der Erwachsenen, doch die Isolation während der Pandemie könnte sich nun negativ auf die Immunität der Bevölkerung auswirken. In Deutschland wurden bis zum 21. November 2024 bereits rund 22.500 laborbestätigte Fälle verzeichnet. Am häufigsten betroffen sind Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 19 Jahren, insbesondere die 12- bis 16-Jährigen. Diese Entwicklung weist auf eine besorgniserregende Situation hin, die nicht nur Deutschland betrifft, sondern auch andere europäische Länder, in denen die Keuchhustenfälle seit Mitte 2023 stark zugenommen haben. Tschechien, die Niederlande und England nähern sich ebenfalls den höchsten Fallzahlen seit vielen Jahren, was eine koordinierte Gesundheitsstrategie erforderlich macht.

Erkenntnisse und Ausblick

Die aktuellen Daten zeigen, dass trotz hoher Impfquoten in der Vergangenheit die Inzidenzen von Keuchhusten in Deutschland wieder steigen. Diese zyklischen Anstiege sind keine Seltenheit, auch nicht bei hoher Immunitätsrate. Fachleute warnen vor den Risiken, insbesondere für Säuglinge und Menschen mit Vorerkrankungen, die einen schweren Verlauf der Krankheit riskieren. Laut RKI verläuft Keuchhusten in drei Stadien: Die Symptome beginnen mit erkältungsähnlichen Anzeichen, gefolgt von charakteristischen Hustenanfällen und schließlich einem langsamen Abklingen der Symptome über Wochen. Um die Ansteckungsfähigkeit zu reduzieren, ist eine frühzeitige antibiotische Therapie entscheidend.

Gesundheitsbehörden rufen deshalb zur Einhaltung der Impfempfehlungen auf. Besonders Eltern werden gebeten, Acht auf die Impfungen ihrer Kinder zu geben, um einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu vermeiden. Während die gesundheitlichen Risiken real sind, bleibt es unerlässlich, die Bevölkerung über die Bedeutung der Impfungen bewusst zu machen und so die Gemeinschaft zu schützen.