Die anhaltende Verbringung afghanischer Migranten nach Deutschland steht derzeit unter intensiver Beobachtung, insbesondere nach dem jüngsten Flug, der vor wenigen Tagen in Berlin landete. An Bord dieses Fluges befanden sich 142 Afghanen, darunter lediglich zwei Ortskräfte, die zuvor die Bundeswehr unterstützt hatten. Die Identität der übrigen Migranten bleibt den Sicherheitsbehörden unklar, was die Bundespolizeigewerkschaft alarmiert. Heiko Teggatz, der Vorsitzende der Gewerkschaft, warnte in einem Brandbrief an Kanzler Olaf Scholz vor möglichen Sicherheitsrisiken und forderte die Stornierung eines geplanten Charterflugs aus denselben Gründen. Teggatz berichtete über erhebliche Unstimmigkeiten bei der Identitätsklärung der Passagiere, was die Auswahl der Afghanen betrifft, die von nichtstaatlichen Organisationen getroffen wird.
Die Bedenken der Sicherheitsbehörden sind nicht unbegründet. Afghanische Staatsangehörige legen laut Berichten häufig gefälschte oder verfälschte Dokumente bei der Deutschen Botschaft in Islamabad vor. Dazu gehören Geburts- oder Heiratsurkunden sowie sogenannte Proxy-Pässe, die von den Taliban ausgestellt wurden. Kritische Stimmen werfen den Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes vor, dass Personen mit gefälschten Dokumenten nicht zwingend von Flügen ausgeschlossen werden. Stattdessen werden Reiseausweise für Ausländer (RAfA) trotz unklarer Identität auf Grundlage einer „alternativen Glaubhaftmachung“ bereitgestellt, was die Situation zusätzlich verschärft.
Hintergrund der Migration
Die Migration afghanischer Personen nach Deutschland ist in den letzten zehn Jahren angestiegen, insbesondere seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021. Eine aktuelle Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) zeigt, dass im Jahr 2023 rund 419.000 Afghaninnen und Afghanen in Deutschland leben, was etwa 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Mehrheit suchte im Rahmen der Fluchtmigration Schutz in Deutschland. Die Studie, die auf einer Online-Befragung von über 1.800 Personen basiert, verdeutlicht, dass afghanische Zuwanderer sich überwiegend willkommen fühlen und eine starke Verbindung zu ihrem neuen Land aufbauen.
Dennoch gibt es verschiedene Herausforderungen, insbesondere aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer vieler Zugewanderter. So haben 85 Prozent der Befragten mindestens ein enges Familienmitglied in Afghanistan, während 41 Prozent nahe Angehörige in anderen Ländern, wie dem Iran, Pakistan, der Türkei und der EU, haben. Diese transnationalen Beziehungen sind für viele von großer Bedeutung. Allerdings berichten viele Befragte auch von Diskriminierung, insbesondere bei der Wohnungssuche, was das Zugehörigkeitsgefühl erheblich beeinträchtigen kann.
Aufenthaltsstatus und Integration
Die Studie, die zwischen November 2023 und April 2024 durchgeführt wurde, hebt hervor, dass die größte Herausforderung für die afghanischen Zuwanderer der Familiennachzug ist, insbesondere angesichts der aktuellen politischen Lage in Afghanistan. Viele der Befragten kämpfen auch mit dem Erlernen der deutschen Sprache, der Suche nach einer Wohnung sowie einem sicheren Aufenthaltstitel und einem Arbeitsplatz. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse einen Zusammenhang zwischen relativer Armut und Teilhabe, wobei prekäre finanzielle Situationen mit einem geringeren Zugehörigkeitsgefühl einhergehen. In diesem Kontext führt höhere wirtschaftliche Sicherheit zu einem stärkeren Zugehörigkeitsgefühl.
Noch ist die Zukunft des humanitären Bundesaufnahmeprogramms für Afghanistan ungewiss, was die Lage vieler afghanischer Migranten weiter kompliziert. Die Studie mit dem Titel „Angekommen und transnational verbunden: Afghanische Zugewanderte in Deutschland“ bietet umfassende Einblicke in die Lebenssituation dieser Gruppe und ihre Integration in die deutsche Gesellschaft.