Bayern präsentiert sich im bundesweiten Vergleich mit einer hohen Anzahl an niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten. Laut aktuellen Daten hat das Bundesland Ende 2024 eine Arztdichte von 232 Mediziner auf 100.000 Einwohner, was den fünften Platz unter allen Bundesländern sichert. Dennoch gibt es erhebliche regionale Unterschiede, besonders in Teilen Oberfrankens, wo die Versorgungslage seit Jahren angespannt ist. In den Landkreisen Coburg und Bayreuth liegt die Zahl der praktizierenden Mediziner mit nur rund 88 bzw. 92 auf 100.000 Einwohner am niedrigsten in Deutschland, wie pn.de berichtet.

Diese Diskrepanz zwischen städtischen und ländlichen Regionen wird durch die Altersstruktur der Ärzteschaft verstärkt. Im Landkreis Hof, der die ältesten Kassenärzte und -psychotherapeuten in Deutschland verzeichnet, liegt das Durchschnittsalter bei über 58 Jahren, und etwa 32 Prozent der Ärzte sind älter als 65 Jahre. Bayernweit weist die Ärzteschaft ein Durchschnittsalter von mehr als 54 Jahren auf, wobei landesweit circa 14 Prozent der Mediziner über 65 Jahre alt sind. sueddeutsche.de hebt hervor, dass insbesondere in den Landkreisen Kronach und Hof der Anteil der älteren Hausärzte bei rund 39 Prozent liegt.

Die Landarztquote und ihre Bedeutung

Um die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern, wurden verschiedene Maßnahmen eingeleitet. Eine wesentliche Initiative ist die Einführung der Landarztquote, die es ermöglicht, Studienplätze an angehende Mediziner zu vergeben, die sich verpflichten, nach dem Studium mindestens zehn Jahre als Hausarzt zu arbeiten. Für das Wintersemester 2025/2026 haben sich bereits 513 junge Menschen für einen dieser begehrten Studienplätze beworben. pn.de berichtet, dass diese Quote einen wichtigen Schritt darstellt, um gerade jungen Menschen, unabhängig von ihren Abiturnoten, den Zugang zur medizinischen Ausbildung zu erleichtern.

Zusätzlich zahlen die bayerische Staatsregierung und die Kassenärztliche Vereinigung eine Landarztprämie an Mediziner, die sich in unterversorgten Regionen niederlassen. Seit 2012 wurden 160 Anträge auf diese Prämie gestellt, von denen 125 bewilligt wurden. Diese Maßnahme könnte entscheidend sein, um dem Ärztemangel in ländlichen Gebieten entgegenzuwirken. Christian Pfeiffer, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, fordert jedoch eine Erhöhung der Medizinstudienplätze sowie einen Ausbau der Weiterbildungsmöglichkeiten, um die Versorgung langfristig sicherzustellen.

Prognosen und Herausforderungen

Die Herausforderungen, die sich aus dem Ärztemangel in ländlichen Regionen ergeben, sind gravierend. Prognosen zufolge könnte bis zum Jahr 2035 ein Mangel von rund 12.000 Hausärzten in Deutschland bestehen. Besonders betroffen sind strukturschwache Regionen in Bayern und anderen Bundesländern wie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. arzt-wirtschaft.de führt an, dass in einigen Landkreisen die Ärztedichte sogar auf unter 1,9 pro 1.000 Einwohner gesunken ist, was zu langen Wartezeiten bei Fachärzten und einer erhöhten Belastung der Notaufnahmen führt.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind politische Maßnahmen erforderlich. Neben der Landarztquote werden u.a. auch finanzielle Förderungen für Niederlassungen in unterversorgten Gebieten und die Förderung von Telemedizin in Betracht gezogen. Ähnlich wie in skandinavischen Ländern könnten digitale Sprechstunden per Videochat den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern.

Trotz der hohem Anzahl an Kassenärzten in Bayern bleibt die Problematik der regionalen Unterschiede und der Altersstruktur der Ärzteschaft eine Herausforderung, die es dringend zu adressieren gilt.