Am 6. Februar 2025 jährt sich der tragische Mord an Hatun Sürücü, der 2005 in Berlin-Tempelhof verübt wurde, zum zwanzigsten Mal. Der Fall erregte nicht nur nationales, sondern auch internationales Aufsehen, da er ein erschütterndes Beispiel für die Problematik von „Ehrenmorden“ darstellt. Hatun Sürücü, eine 23-jährige Deutsch-Kurdin, wurde am 7. Februar 2005 von ihrem Bruder Ayhan erschossen, nachdem es zu einem Streit über ihren westlichen Lebensstil gekommen war. Beim Verbrechen handelt es sich um einen klaren Fall eines so bezeichneten „Ehrenmordes“.

Der Mord geschah durch mehrere Schüsse in den Kopf. Ayhan Sürücü wurde anschließend zu neuneinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt und nach Verbüßung seiner Strafe in die Türkei abgeschoben. Währenddessen blieben die beiden älteren Brüder von Ayhan, die ebenfalls vor Gericht standen, mangels Beweisen freigesprochen. Der Fall hat bundesweite Debatten über Integration, Gewalt gegen Frauen sowie die spezifische Problematik von Ehrenmorden in migrantischen Familien entfacht. Viele Frauenrechtsorganisationen verwenden diesen Begriff, um die Täter-Denkweise zu hinterfragen und zu distanzieren.

Gedenken und Initiativen

In der Erinnerung an Hatun Sürücü gibt es Bestrebungen, das Grab auf dem Landschaftsfriedhof Gatow zu erhalten, obwohl es normalerweise nach 20 Jahren eingeebnet wird. Junge Frauen, besonders aus migrantischen Hintergründen, zeigen zunehmend Interesse an ihrem Andenken, insbesondere über soziale Medienplattformen wie TikTok. In Tempelhof steht eine Gedenktafel am Tatort, an der regelmäßig Kränze und Blumen niedergelegt werden.

Darüber hinaus hat der Senat beschlossen, eine Brücke in Neukölln nach Hatun Sürücü zu benennen. Die Auszeichnung des Hatun-Sürücü-Preises, seit 2013 verliehen, würdigt Projekte gegen Diskriminierung. Diese Initiativen sind Teil eines umfassenderen Ansatzes, um auf die gesellschaftlichen Missstände aufmerksam zu machen, die Frauen wie Sürücü betreffen.

Gesellschaftliche Sensibilisierung und Statistiken

Die Organisation Terre des Femmes hat betont, dass ihre Präventionsarbeit in Schulen zunehmend an Bedeutung gewinne. Durch solche Programme sollen insbesondere bedrohte Mädchen und Frauen unterstützt werden. Trotz der Bemühungen gibt es jedoch keine verlässliche polizeiliche Statistik zu Ehrenmorden seit 2008. Die Erfassungsmethodik bleibt fraglich, was die notwendige Sensibilisierung erschwert.

Laut einer Erhebung wurden allein im Jahr 2023 in Deutschland 19 Ehrenmorde klassifiziert, wovon 15 Frauen zum Opfer fielen. Insgesamt wurden 938 Frauen und Mädchen Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. Solche Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen, wie sie das Bundeskriminalamt in seinen Studien über Ehrenmorde anführt.

Der Mord an Hatun Sürücü bleibt ein Mahnmal für die Herausforderungen, die mit Gewalt gegen Frauen und den spezifischen Risiken in migrantischen Gemeinschaften verbunden sind. Am 6. und 7. Februar 2024 finden Gedenkveranstaltungen in Tempelhof-Schöneberg und Neukölln statt, um ihrer und der vielen anderen betroffenen Frauen zu gedenken.

Für weitere Informationen zu diesem Thema verweisen wir auf die Berichterstattung von rbb24, t-online und die Forschungsergebnisse des BKA.