Die USA haben eine Belohnung von 10 Millionen Dollar für Informationen zur Festnahme von Sirajuddin Haqqani, einem bedeutenden Taliban-Anführer, aufgehoben. Diese Entscheidung wurde am 22. März 2025 von einem Sprecher des afghanischen Ministeriums für Innere Angelegenheiten bekannt gegeben. Auf der FBI-Website wird Haqqani weiterhin als jemand beschrieben, der an grenzüberschreitenden Angriffen auf US- und Koalitionstruppen in Afghanistan beteiligt gewesen ist.

Die Aufhebung der Belohnung folgt direkt auf die Freilassung eines US-Bürgers durch die Taliban. George Glezmann, der seit Dezember 2022 als Tourist in Afghanistan gefangen gehalten wurde, wurde nach zwei Jahren in Gefangenschaft freigelassen. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete diesen Schritt als „positiven und konstruktiven Schritt“ und dankte Katar für seine Vermittlungsrolle. Diese Freilassung ist die dritte eines US-Häftlings durch die Taliban seit Januar 2025.

Haqqani und die Taliban

Sirajuddin Haqqani, der Minister für Inneres der Taliban und Kopf des Haqqani-Netzwerks, wird häufig als „Eroberer von Kabul“ bezeichnet. Kürzlich reiste er für Gespräche mit US-Sicherheitsbeamten in die Vereinigten Arabischen Emirate, um bestehende Sicherheitsbedenken zwischen den Taliban und den USA zu erörtern. Während dieses Besuchs traf er auch den Präsidenten der VAE. Laut Berichten wird erwartet, dass die Gespräche ungelöste Probleme zwischen den Taliban und Washington ansprechen, während über 20 Taliban-Beamte weiterhin auf der US-Sanktionsliste stehen.

Das Haqqani-Netzwerk gilt als eine der gefürchtetsten terroristischen Organisationen, die für Selbstmordattentate und hochkarätige Anschläge verantwortlich ist. Haqqani bleibt auch nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 ein zentrales Ziel der internationalen Gemeinschaft. So wurde beispielsweise der damalige al-Qaida-Anführer Ayman al-Zawahiri 2022 bei einem US-Drohnenangriff in Kabul getötet, wobei das Haus, in dem dies geschah, im Besitz von Haqqani war.

Die aktuelle Lage in Afghanistan

Trotz internationaler Isolation haben die Taliban Bebindungen zu mehreren Ländern, darunter China und Russland, wieder aufgenommen. Dies ist besonders relevant, da Afghanistan über bedeutende Bodenschätze verfügt, die für ausländische Investoren attraktiv sind. Dennoch lebt die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung in Armut, und die humanitäre Situation hat sich dramatisch verschlechtert.

Aktuell leben 95 Prozent der Afghanen unterhalb der Armutsgrenze, und die UN berichten, dass mehr als 24 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Die Taliban haben in den letzten Jahren keine Strategie zur Verbesserung von Bildung und Gesundheitsdiensten entwickelt, obwohl diese Bereiche zuvor Fortschritte gemacht hatten. Stattdessen wurde beobachtet, dass die Repression gegen die eigene Bevölkerung, insbesondere gegen Frauen und feministische Aktivistinnen, zugenommen hat.

Die Taliban kündigten an, extreme Strafen gemäß der Scharia wieder einzuführen. Dies führt zu einer weiteren Eskalation der Menschenrechtsverletzungen, da Frauen kaum noch öffentlichen Raum beanspruchen dürfen und der Zugang zu Bildung und Arbeit stark eingeschränkt ist. Um internationale Anerkennung und Unterstützung zu gewinnen, suchen die Taliban sowohl diplomatische Beziehungen als auch finanzielle Hilfe aus dem Ausland.