Am 11. März 2025 wurden vier libanesische Geiseln, die im Verlauf des Konflikts zwischen Israel und Hezbollah gefangen genommen wurden, in einem Krankenhaus in Tyre, Südlibanon, begrüßt. Der libanesische Präsident Joseph Aoun bestätigte die Übergabe der Geiseln, die am Dienstag stattfand. Weiterhin wird am Mittwoch eine fünfte Geisel erwartet. Diese Entwicklungen erfolgen vor dem Hintergrund der Ankündigung Israels, Gespräche zur Grenzdemarkation mit dem Libanon aufzunehmen, was Anlass zu Hoffnungen auf eine Entspannung in der Region gibt.
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte, dass Israel gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Frankreich die Bildung von Arbeitsgruppen vereinbart hat, um die Grenzstreitigkeiten zu erörtern. Der US-Deputy-Sondergesandte für den Nahen Osten, Morgan Ortagus, äußerte, dass Washington eine politische Lösung für die anhaltenden Konflikte anstrebt. Die Arbeitsgruppen sollen sich damit befassen, dass Israel an fünf strategischen Punkten im Südlibanon stationiert bleibt, was nach dem kürzlich unterzeichneten Waffenstillstandsvertrag umstritten ist.
Waffenstillstand und Spannungen
Der am Mittwoch in Kraft getretene Waffenstillstandsvertrag könnte über ein Jahr anhaltender Kämpfe zwischen der israelischen Armee und Hezbollah beenden. Der von den USA und Frankreich vermittelte Deal wurde am Dienstag von Israel genehmigt und sieht eine anfängliche zweimonatige Kampfpause vor. Hezbollah wird aufgefordert, ihre militärische Präsenz im Süden des Libanons abzubauen, während israelische Truppen auf ihre Seite der Grenze zurückkehren sollen. Dies könnte die Spannungen in der Region verringern, doch der schwerere Konflikt in Gaza bleibt hiervon unberührt.
Die Kämpfe haben in der Vergangenheit verheerende Auswirkungen gehabt; über 1,2 Millionen Libanesen und rund 50.000 Israelis wurden vertrieben. Allein in Libanon sollen mehr als 3.700 Menschen, insbesondere Zivilisten, durch israelische Bombardements ums Leben gekommen sein, während auf israelischer Seite mehr als 130 Tote zu beklagen waren.
Hezbollahs Rolle und Reaktionen
Hezbollah, die sich bereit zeigt, dem neuen Waffenstillstand eine Chance zu geben, fordert jedoch klare Garantien im Hinblick auf israelische Angriffe. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell stellte fest, dass die Sicherheitsbedenken Israels im Rahmen des Abkommens berücksichtigt wurden. Die Gruppe, die als eine der am stärksten bewaffneten nichtstaatlichen Organisationen der Welt gilt, verfügt über eine erhebliche Anzahl an Raketen und Marschflugkörpern, was die Region weiterhin destabilisieren könnte.
Die Kämpfe seit dem Oktober 2022, die als Unterstützung für Hamas gestartet wurden, haben die Lage in Libanon stark belastet. Nach Berichten wurden über 2.000 Ziele im Libanon von israelischen Streitkräften angegriffen, was diese Situation zur blutigsten seit dem Krieg 2006 zwischen Hezbollah und Israel macht. Die israelische Luftwaffe führt seit längerem nahezu ununterbrochen Angriffe auf libanesische Ziele durch, während Hezbollah versucht, das israelische Abwehrsystem zu überlasten.
Mit diesen aktuellen Entwicklungen stellt sich die Frage, ob die neue Vereinbarung zu einer nachhaltigeren Stabilität in der Region führen wird oder ob sie lediglich eine vorübergehende Atempause in einem weiterhin angespannten Konflikt darstellt.