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Automobil

Das verblendete Beschlussdilemma: Europäisches Parlament und die Zukunft des Automobilmarktes

Die dunklen Wolken über der Verbrennertechnologie: Ein Blick auf die Gründe für ihr mögliches Scheitern.

Das Verbot der Verbrennertechnologie für Automobile ab 2035, das Mitte Februar 2023 vom Europäischen Parlament beschlossen wurde, könnte aus verschiedenen Gründen scheitern. Die Entscheidung, keine neuen Fahrzeuge zuzulassen, die mit Benzin oder Diesel betrieben werden, basierte auf einer falschen Analyse der technologischen Möglichkeiten und ignorierte die industriellen Interessen Europas sowie die Kundenbedürfnisse.

Als erstes Argument wird die globale Nischenexistenz der Elektromobilität genannt. Trotz einer jährlichen Neuwagenproduktion von 90 Millionen Fahrzeugen und einer weltweiten Fahrzeugflotte von 1,4 Milliarden Fahrzeugen dominieren Verbrennungsmotoren mit 98 Prozent. Ein schneller Übergang zur Elektrifizierung aller Verkehrsmittel gilt daher als unrealistisch.

In Deutschland ist ebenfalls kein E-Boom ausgebrochen. Der Marktanteil von Elektroautos bei Neuzulassungen liegt lediglich bei knapp elf Prozent. Selbst nach dem Bonusprogramm der Bundesregierung für E-Autos sank die Nachfrage erheblich, was die Ambitionen der Regierung, bis 2030 15 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen zu sehen, in Frage stellt.

Des Weiteren schreitet der Ausbau der Ladeinfrastruktur nur langsam voran. Programme zur Investition in private Ladestationen wurden gestrichen, und das Ziel, bis 2030 15 Millionen E-Autos an einer Million Ladesäulen zu laden, erscheint unrealistisch. Die Automobilindustrie muss ihr Ausbautempo deutlich erhöhen, um die Vorgaben zu erfüllen.

Die chinesische Dominanz in der Elektro- und Batterietechnologie könnte ein weiterer Grund für das Scheitern des Verbots sein. China hat sich mit staatlicher Unterstützung als Vorreiter in der Elektromobilität etabliert, während deutsche Autokonzerne erst spät mit Elektroautos auf den Markt kamen. Ein Verbot in Europa würde vor allem der chinesischen E-Autoindustrie zugutekommen.

Schließlich reflektiert sich das verhaltene Kundeninteresse auch in der Modellpolitik der Autohersteller. Beispiele von VW und Mercedes zeigen, dass die Nachfrage nach Elektroautos begrenzt ist, was die Branche vor Herausforderungen stellt. Trotz der Potenziale der Elektromobilität wird deutlich, dass ein sofortiges Verbot von Verbrennungsmotoren in Europa aufgrund verschiedener Schwierigkeiten und Herausforderungen problematisch ist.

Thomas Klein

Lebt in Dresden und ist seit vielen Jahren freier Redakteur für Tageszeitungen und Magazine im DACH-Raum.
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